Umfrage: Europas Firmen setzen weiter auf Produktion in der Nähe

«Nearshoring» bleibt bei einer Mehrheit der befragten Unternehmen auf der Agenda. Osteuropa schwingt bei den zur Auswahl gestellten Alternativstandorten oben aus.

29.11.2023
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Bild von: on Unsplash
Nearshoring, Reshoring, Friendshoring: Diese Begriffe kommen seit der Covid-Pandemie und dem russischen Krieg in der Ukraine öfters aufs Tapet, als es vielen Unternehmen lieb ist. Ob man die Produktion von einem weit weg gelegenden Standort in ein Land in der Nähe schaffen will (Nearshoring), oder direkt ins eigene Staatsgebiet (Reshoring), oder wenigstens in ein befreundetes Land (Friendshoring): Hauptsache, die Lieferketten werden fester und zuverlässiger.
Eine neue Umfrage unter 95 Unternehmen, die hauptsächlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz beheimatet sind, zeigt, dass das Thema noch immer unter den Nägeln der Manager brennt. Durchgeführt wurde sie von der auf Supply Chain Management spezialisierte Unternehmensberatung Inverto.
  • Neun von zehn Befragten glauben, dass Nearshoring und Reshoring bleibende Phänomene sind.
  • Zwei Drittel der befragten Unternehmen planen eine Umstrukturierung ihrer Lieferkette in den nächsten fünf Jahren.
  • Vier von zehn sehen Nearshoring als Hauptansatz zur Neugestaltung der eigenen Lieferkette.
  • Jedes vierte befragte Unternehmen setzt auf eine regionale Diversifizierung seiner Lieferantenbasis.
Als Zielort für eine Umlagerung der Produktionsstandorte steht klar Osteuropa im Vordergrund. Zwei von drei Unternehmen würden auf die dortigen Länder setzen. Auf Süd- und Westeuropa fokussieren jeweils 36 Prozent der befragten Firmen. Wenig Chancen haben Nordafrika und der Nahe Osten. Diese Regionen fassen nur 3 Prozent der Unternehmen für Nearshoring ins Auge.
Zur Nearshoring Studie 2023 von Inverto
Inverto ist eine Tochter der Boston Consulting Group und auf den strategischen Einkauf und Supply Chain Management in Europa spezialisiert.
Rund 95 Unternehmen, hauptsächlich aus der DACH-Region, nahmen an der Nearshoring Studie teil. Mehr als die Hälfte der Befragten stammt aus dem produzierenden Gewerbe; rund 50 Prozent weist einen Jahresumsatz von über 500 Millionen Euro aus. Umfragezeitraum war Mai bis Juli 2023. Die detaillierten Ergebnisse können hier heruntergeladen werden.
Gründe für ein Nearshoring in politisch stabilere Gebiete sehen die Unternehmen in einer erhöhten Flexibilität, verbesserten Lieferzeiten, Effizienzsteigerungen, politischer Stabilität und tieferen Produktionskosten.
Inwieweit beeinflussen die folgenden Kriterien die Umstrukturierung Ihrer Supply Chain?
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Quelle: Inverto, Nearshoring Studie 2023
Auf die Frage, inwieweit Near-, Re- oder Friendshoring die Lieferketten ihrer Unternehmen beeinflussen würden, ergibt sich eine eindeutige Prävalenz des Nearshoring, also die Verlagerung betrieblicher Aktivitäten in nahegelegene Länder. Für 56 Prozent der befragten Firmen ist dies der wichtigste aktuelle Trend in ihrem Supply Chain Management.
Inwieweit beeinflussen die folgenden Trends Ihre Supply Chain?
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Quelle: Inverto, Nearshoring Studie 2023
Die Umfrageergebnisse legen nahe, dass sich die Probleme rund um die Lieferketten weiter akzentuieren werden. Geopolitische Spannungen hätten weiterhin einen erheblichen Einfluss auf Entscheidungen in der Lieferkette, glauben neun von zehn der Umfrageteilnehmer. Und fast jeder Dritte erwartet in der Folge eine multipolare Welt mit Blockbildungen.
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