Wasserverbrauch: Finanzindustrie macht Druck auf Food-Konzerne

Ein Konglomerat, das fast 10 Billionen Dollar verwaltet, stellt Forderungen an Nestlé, Lindt, Unilever & Co.

24.08.2022
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Bild von: redcharlie on Unsplash
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  • industrie
Der trockene Sommer 2022 hat eine weitere Konsequenz: Es gibt eine neue ESG-Organisation. Die «Valuing Water Finance Initiative» vereinigt 64 Finanz-Organisationen, und diese wiederum verwalten eine Anlagesumme von insgesamt 9'800 Milliarden Dollar. Nun wollen sie die Industrie dazu bringen, stärker auf die Bedeutung des Wassers zu achten – als allgemeine Lebensgrundlage, aber vor allem als Finanz- und Investmentrisiko.
Der Aktion angeschlossen haben sich neben diversen amerikanischen Pensionsfonds auch Fondsgesellschaften wie DWS, Franklin Templeton und Fidelity. Ferner Investmentgesellschaften wie die Man Group. Ferner die Genfer Privatbanken Lombard Odier und Pictet, die Raiffeisen-Gruppe oder der Schweizer Ethos-Fonds. Angestossen wurde das Ganze von Ceres, einem Umwelt-NGO aus Boston.

Und China? Und Stahl?

Die «Valuing Water Finance Initiative» richtet sich konkret an 72 namentlich genannte Unternehmen, die einen hohen «water footprint» haben – also einen überdurchschnittlichen Wasserbedarf.
Auf der Liste stehen aus der Schweiz Nestlé und Lindt & Sprüngli. Insgesamt fällt auf, dass es bei der Aktion primär um den Wasserverbrauch im Konsumgüterbereich geht. Neben allen namhaften Food-Konzernen wie Unilever, Danone, Kraft Heinz und Mars werden die bekannten Getränkekonzerne (Coca-Cola, Pepsi, Anheuser) angesprochen – und weiter folgen Modefirmen wie Adidas, H&M, Lululemon, Gap, Levi Strauss. Recht prominent vertreten ist schliesslich die Luxusindustrie mit Kering, Burberry oder LVMH.

Was erwartet wird

Grossindustrie-Konglomerate aus dem Rohstoff-, Metall- oder Elektronikbereich tauchen auf der Liste ebensowenig auf wie Unternehmen aus Asien oder Lateinamerika.
Die Initiative formuliert konkrete Schritte, die sie von den angesprochenen Konzernen erwarten. Und wie sie diskret formulieren, bieten diese «Corporate Expectations for Valuing Water» eine Grundlage, die künftig in die Investment-Entscheide einfliessen wird.
Konkret sollen die 72 Konsumgüter-Konzerne:
  • … sicherstellen, dass die eigenen Geschäftspraktiken die Qualität und die Zugänglichkeit von Wasser nicht vermindern.
  • … das Wassermanagement in die Geschäftsprozesse integrieren. Beaufsichtigung durch die Konzernleitung. Politisches Engagement fürs Wasser.
  • … sich bemühen, den Zugang zum Wasser über die Wertschöpfungsketten der Unternehmen hinweg zu sichern.
  • … Ökosysteme schützen – als entscheidender Faktor, um die Süsswasserversorgung des Unternehmens sicherzustellen.

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