Kein Staatsgeld – Galeria benötigt Gläubigerschutz

Die unvermeidliche Folge: In nächster Zeit werden Dutzende Warenhäuser in Deutschland verschwinden.

31.10.2022
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Galeria-Besitzer René Benko in einer Porträt-Sendung des Fernsehens ORF, Screenshot.
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Galeria Karstadt Kaufhof hat ein so genannten Schutzschirmverfahren beantragt. Dies bestätigte das Unternehmen am Montagabend, nachdem zuvor die «Wirtschaftswoche» über Gang zum Richter berichtet hatte.
Der Vorgang bedeutet einerseits, dass ein Sachwalter die Oberaufsicht über das Unternehmen bekommt – doch andererseits auch, dass Galeria nach Einschätzung der Konkursrichter fürs Erste noch aus eigener Kraft weiterfunktionieren kann.
Die Galeria Karstadt Kaufhof GmbH ist nach El Corte Inglés und Marks & Spencer der drittgrösste Warenhaus-Konzern Europas. Das 2020 entstandene Fusions-Unternehmen gehört zur Signa-Gruppe des österreichischen Unternehmers René Benko (der wiederum teilbeteiligt an Globus ist).

Lockdown-Opfer, Kriegs-Opfer

Der Konzern hatte zuvor staatliche Hilfen beantragt, nachdem er 2020 und 2021 bereits mehrfach mit «stillen Einlagen» gestützt werden musste. Nachdem er damals ein Lockdown-Opfer war, leidet der Konzern heute unter einer deutlichen Zurückhaltung einer preisbewussteren deutschen Kundschaft – während auf der auf der Gegenseite die Energiepreise und viele Beschaffungs-Preise die Kosten hochtreiben.
Derzeit betreibt Deutschlands letzter grosser Warenhauskonzern mit rund 17'000 Angestellten noch 131 Häuser. Dies nachdem Galeria im Frühjahr 2020 bereits einmal in ein Schutzschirm-Verfahren geschlittert war. In der Folge musste er 40 Standorte schliessen und rund 4'000 Personen entlassen.

«…um mindestens ein Drittel»

Nun dürften nochmals mindestens 40 Warenhäuser für immer ihre Türen schliessen. Dies sagte Galeria-CEO Miguel Müllenbach am Montagabend zur «Frankfurter Allgemeinen Zeitung»: «Das bestehende Filialnetz muss zur Umsetzung des Zukunftskonzepts deutlich, um mindestens ein Drittel reduziert werden.»
Im ersten Geschäftsjahr des «sanierten» Unternehmens – von Oktober 2020 bis September 2021 – sanken die Umsätze von 3,5 Milliarden auf 2,1 Milliarden Euro; und bei dieser Summe ergab sich am Ende ein Verlust von 622 Millionen Euro (mehr).
Die «Immobilien-Zeitung» zitierte letzte Woche ein Mitglied des Gläubigerausschusses der Galeria-Insolvenz von 2020 mit dem Satz, das Unternehmen wolle wohl – so sein Eindruck – «maximal 30 Standorte dauerhaft weiterführen» (mehr).

Portfolio-Analyse

Das Fachblatt machte zugleich eine aufwändige Portfolio-Analyse gemacht, um mit diversen Kriterien die Chancen aller Galeria-Kaufhäuser in Deutschland zu beurteilen. Aspekte waren etwa, ob es Doppelstandorte in einer Stadt gibt; ob eine Filiale bereits im früheren Insolvenzverfahren auf der Streichliste stand; die Miet- und Besitzverhältnisse; langfristige Verpflichtungen; oder diverse hochgerechnete Umsatzerwartungen.
Das Fazit war noch skeptischer als die Andeutungen von Miguel Müllenbach: Bei etwa 30 Filialen wäre eine Fortführung auch nach einer Insolvenz ziemlich sicher. Bei 22 Standorten sei die Lage wacklig. Und bei 79 Warenhäusern sei eine Schliessung wahrscheinlich – also bei mehr als der Hälfte (die Liste und die Analyse findet sich hier).
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