Zuwenig umweltbewusst: CEO von Procter & Gamble soll abgewählt werden

Wie Aktionärs-Aktivisten die Selbstdarstellung eines FMCG-Konzerns untergraben: Der Fall könnte Schule machen.

27.09.2022
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Doppelfunktion: Jon R. Moeller, Chairman und CEO von Procter & Gamble   |   Bild: PD
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An der Generalversammlung von Procter & Gamble soll CEO Jon Moeller die Wiederwahl als Verwaltungsratspräsident verweigert werden. Auch sollen die Aktionäre beim Treffen vom 11. Oktober zwei weitere Mitglieder abwählen, Angela Braly und Patricia Woertz: Denn die sind im Board unter anderem für Governance zuständig.
Diesen Antrag haben drei grosse Umweltschutz-Organisationen eingereicht: der Natural Resources Defense Council NRDC, Friends of the Earth sowie das Rainforest Action Network.

Nichts Neues. Oder doch?

Die Begründung: Procter & Gamble habe es versäumt, gegen die nicht nachhaltige Beschaffung von Zellstoff und Palmöl aus klimakritischen Wäldern in Kanada und in Südostasien vorzugehen.
Dass NGOs ihre Anliegen bei Anträgen bei Generalversammlungen einbringen, kommt seit den Nuller- und Zehnerjahren regelmässig vor. Der aktuelle Fall zeigt höchstens, wie das immer heftigere ESG-Marketing der Konsumgüter- und FMCG-Konzerne konterkariert wird, wenn die Umsetzung dahinter nicht konsequent ist.
Denn P&G ist zugleich ein Konzern, der mit grossem Eifer seine Fortschritte in Sachen Klimaschutz, Inklusivität, Diversity et cetera anpreist. Dies ist auch vom obersten Konzerngremium gestützt: An der Generalversammlung 2020 stimmten beispielsweise 67 Prozent der Aktionäre dafür, dass der Pampers-, Ariel- und Pantene-Konzern schneller und entschlossener gegen Umweltschädigung vorgeht, insbesondere beim Sourcing von Palmöl und Zellstoff.

Umstrittene Doppelfunktion

Zugleich hatten Moeller, Braly und Woertz damals über 90 Prozent der Stimmen erhalten. Eine konkrete Abwahl 2021 ist denn auch unwahrscheinlich. Zumindest als Signal könnten die Wahlergebnisse aber interessant sein.
Dies zumal die drei Verbände fordern, dass Chairman Moeller durch einen unabhängigen Präsidenten ersetzt wird – ein System, dass auch sonst von vielen Investoren angestrebt und gewünscht wird.
Derartige GV-Anträge seien wirkungsvoller als früher, meinte Nell Minow, die Vizechefin der Corporate-Governance-Beratung ValueEdge Advisors, gegenüber der Nachrichtenagentur «Reuters»: Sie erhielten nun eher Unterstützung. «Hier gibt es einen bedeutenden nächsten Schritt, und der wird dieses Thema anheizen.»
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