Parkplätze vor dem Laden? Lieber nicht!

Neue Daten zur ewigen Parkplatz-Debatte: In Shopping-Zonen könnten parkierte Autos den Einkaufsbummel eher verderben.

20.11.2023
letzte Aktualisierung: 5.04.2024
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Fazit: Das Auto gehört ins Parkhaus, nicht vor das Schaufenster. Bild: Claudio Schwarz on Unsplash von: on Unsplash
Wie wichtig sind Parkplätze in den Einkaufsstrassen unserer Städte? Um diese Frage kreist bekanntlich ein Dauerstreit. Der Handel und seine Vertreter glauben fest, dass Parkplätze umsatz-entscheidend sind; andere finden derweil, dass dies nicht genügt, um die Innenstädte dem Auto unterzuordnen.
Jedenfalls zeigte der Abbau von City-Parkplätzen in vielen Schweizer Städten in den letzten Jahren, dass sich die Parking-Wirkung für die Geschäfte wohl eher in Grenzen hält. Eine neue Untersuchung aus Deutschland besagt jetzt sogar mehr: Wer Parkplätze direkt vor dem Laden hat, hat eher ein Problem als eine Geldquelle.
Konkret untersuchten Laura Merten und Tobias Kuhnimhof, zwei Städtebau-Dozenten der Technischen Hochschule Aachen, die Mieten-Entwicklung von Retail-Liegenschaften in der Innenstadt von Aachen – einer historisch gewachsenen Stadt mit rund 260'000 Einwohnern. Dabei nahmen die Forscher rund 400 Angebote, die zwischen 2015 und 2022 veröffentlicht wurden, und stellten die Mietpreise ins Verhältnis zu Aspekten wie ÖV-Haltestellen, Fussgängerzonen, Strassen-Parkplätze oder Parkhaus-Stellen.
  • Laura Merten, Tobias Kuhnimhof: «Impacts of parking and accessibility on retail-oriented city centres», in: «Journal of Transport Geography», Dezember 2023. doi.org/10.1016/j.jtrangeo.2023.103733
Die Annahme dabei: Je besser eine Lage fürs Geschäft und für die Umsätze, desto höher die Mietpreise.
Klar wurde dann rasch auch, dass beispielsweise eine gute ÖV-Anbindung eher zu hohen Retail-Mieten verhilft.

Der Einkaufsbummel

Doch ein Ergebnis der Daten von Merten und Kuhnimhof wirkte auf den ersten Blick paradox: Gab es in einem engeren Umkreis viele Strassenparkplätze, so waren die Mietpreise eher tief. Nahe Parkplätze schienen also sogar kontraproduktiv. Gab es aber viele Parkplätze etwas weiter entfernt (in einem Umkreis von 100 bis 500 Metern), so wirkte sich dies offenbar eher positiv auf die Mieten aus.
Daraus lässt sich folgern, dass Autoreihen den Shoppern eher die Laune verderben – respektive dass der «Einkaufsbummel», wie man so schön sagt, eben immer auch ein Spaziergang ist.
Die Forscher sprechen sich denn auch nicht einfach summarisch gegen Parkplätze aus. Ein Fazit der Studie lautet vielmehr: «Innerhalb einer bequemen Gehweite sollte es genügend Parking-Kapazität geben. Das Resultat unterstützt die Lösung, Strassenparkplätze in den Innenstädten abzubauen, wenn der ruhende Verkehr zugleich in Parkhäusern drum herum konzentriert wird.»
  • handel
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