Propaganda: Russland verkündet Comeback von L'Oréal – L'Oréal widerspricht

Laut dem Handelsministerium in Moskau will der Kosmetik-Riese wieder Direktimporte in Putins Reich aufnehmen. Nur: L'Oréal weiss von nichts.

9.11.2022
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Bild von: Ludmila Kuznetsova on Unsplash
  • non-food
  • industrie
  • kosmetik
Anfang März gab L'Oréal bekannt, dass es sich dem Boykott Russlands anschliesst. Man werde die eigenen Standorte in Russland schliessen und alle Investitionen und Werbeausgaben im Land suspendieren. Auch die russisschen E-Commerce-Sites würden abgeschaltet.
Allerdings liessen sich L'Oréal-Produkte wie Garnier oder Parfums von Marken wie Lancôme weiterhin kaufen in St. Petersburg, Jekaterinenburg oder Moskau. Denn Russlands Regierung konterte den Exit von westlichen Firmen, indem sie inoffizielle Parallelimporte erlaubte – ohne dass die Lieferanten eine Einwilligung der Hersteller benötigten.
Nun melden Regime-Medien, dass L'Oréal die Direktlieferung seiner beliebtesten Produkte ins Putin-Reich wieder aufnehmen will; das Comeback der Nestlé-Viertelstochter werde noch in diesem Monat erfolgen.
Dabei wandelt Putins Propaganda-Kanal «Russia Today» gleich fröhlich den bekannten L'Oréal-Claim ab und erklärt: «Weil Russland es wert ist.»
Basis dafür ist eine Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Novosti – und diese zitiert ihrerseits den Pressedienst des Handels- und Industrieministeriums.
Danach will die Behörde demnächst den Parallelimport von L'Oréal-Produkten wie Kerastase oder von L'Oréal-Parfums wie Lancôme, Redken, Giorgio Armani und Yves Saint Laurent untersagen. Denn diese Marken seien bereit, wieder selber in die russische Föderation zu liefern.
Man habe dafür seit Mai mit Kosmetikherstellern verhandelt, wird Denis Manturov zitiert, ein Beamter des Ministeriums.
Nachdem die Russen den Deal am Montagabend vermeldet hatten, reagierte L'Oréal nicht sofort. Dementsprechend wurde das Thema auch von der ukrainischen Seite aufgegriffen – und am Dienstag kamen die ersten Social-Media-Stimmen auf, die ihrerseits einen Boykott von L'Oréal forderten.
In der Tat: Mit der Rückkehr solcher Weltmarken würde sich ein erster echter Riss im europäischen Boykott gegen Russland auftun. Und es wäre ein chicer Propaganda-Coup für den Kreml.
Aber offenbar bauten die Staatsmedien hier Fake News.
Auf Nachfrage schickt L'Oréal ein Statement, in dem es von «wrong information», falschen Informationen, spricht: «L’Oréal bekräftigt, dass sich seine Position nicht geändert hat. L’Oréal hält sich strikt an EU- und US-Sanktionen.» Neben der Schliessung von Geschäften, Store-in-Stores und Onlinediensten habe der Konzern den Verkauf der meisten seiner Marken in Russland eingestellt, «einschliesslich dieser» – also der erwähnten Luxusmarken. Man verkaufe dort lediglich essenzielle Güter des täglichen Bedarfs.
Bleibt die Frage, was dann der Sinn der kurzlebigen Aktion aus Moskau war.
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