Fast Fashion behindert Transparenz von Modemarken

OVS, H&M, North Face sind top – Mexx und Tom Ford floppen: Ein Bericht zeigt, ob die grossen Marken die Herkunft ihrer Produkte wirklich offenlegen.

18.07.2022
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Zwei von drei Textillien weltweit stammen aus Fabriken in Asien | Bild von: Rio Lecatompessy on Unsplash
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Vor bald 10 Jahren brannte in Bangladesh die Textilfabrik Rana Plaza ab, über 1000 Mitarbeitende kamen um. Die globale Modeindustrie geriet unter Druck und versprach Besserung.
Wie ernst es ihr war, zeigt der aktuelle Transparenz-Bericht des NGO Fashion Revolution, das im Gefolge des Rana-Infernos gegründet wurde. Ihr «Fashion Transparency Index» 2022 gibt – je nach Blickwinkel – Grund zu Hoffnung oder Katzenjammer.
Der Index führt detailiert auf, welche Firmen die Transparenz-Kritierien bezüglich ESG (Environment, Social, Governance) erfüllen. Was er nicht leisten kann: den Check, ob die Versprechungen der Unternehmen konkret umgesetzt wurden.

Aufsteiger aus Italien

Der Unterwäsche-Konzern Calzedonia aus Italien erhält zum Beispiel neu 55 statt 11 Punkte; denn er informiert offener darüber, wo und unter welchen Umständen seine Textilien hergestellt wurden. Spitzenreiter OVS, ebenfalls aus Italien, schneidet in der Rückverfolgbarkeit und in den «Spotlight Issues» wie Umweltverträglichkeit und Arbeitsbedingungen gut ab.

Manche der Spitzenreiter erhalten 2022 allerdings weniger Punkte als 2021. Ein Grund dafür: Fashion Revolution hat für den neuen Bericht die Schrauben angezogen. Ungenaue Angaben und Floskeln wie «Wir halten unsere Lieferanten dazu an...» werden nicht mehr akzeptiert. Vorzuweisen sind Fakten und Zahlen.

Tom Ford versagt komplett

Auf der «List of shame» der Unternehmen mit null Punkten stehen weiterhin einige Weltmarken: Mexx, Max Mara, Tom Ford, New Yorker und Gil Sander.
Immerhin: Bei der Rückverfolgbarkeit geht es aufwärts. Immer mehr Marken listen auf, woher ihre Rohwaren stammen und wo genau sie verarbeitet werden. Fast die Hälfte der Labels und Firmen kennen die Endverarbeiter (Schnitt, Nähen etc.) ihrer Artikel. Woher die Rohware kommt, weisen aber nur 12 Prozent aus.

Heutige Mode wird mit der heissen Nadel gestrickt: Rein in die Läden, raus aus den Läden. Alle 14 Tage wechseln Kollektionen, ganz nach den Mini-Trends, deren Takt die Sozialen Medien vorgeben.
Solche «Fast Fashion» erschwert es zu erkennen, wo und unter welchen Umständen die Kleidungsstücke hergestellt wurden – trotz neuer Technologien wie Blockchain oder Rückverfolgungs-Apps.
«Die globale Textilindustrie fusst auf dem Fast Fashion System und beschleunigt damit Überproduktion und -verbrauch», hält der Bericht von Fashion Revolution fest. «Kleidung wird zu wenig genutzt und sozial entwertet im Rennen um billige Textilien und ständig wechselnden Trends.»

Kunststoff landet in Afrika

Dazu kommt, dass Fast Fashion übermässig aus künstlichen Stoffen besteht, die nicht wiederverwendbar oder abbaubar sind und am Ende auf unkontrollierten Mülldeponien in Afrika landen.
Die Textilindustrie ist weltweit für 4 Prozent des CO2-Ausstosses verantwortlich; doch laut dem Transparenz-Index gibt lediglich ein Drittel der Modeunternehmen an, wie und bis wann ihre gesamte Lieferkette CO2-neutral sein soll.
Dass es auch anders geht, zeigt die Hausmarke Naturaline von Coop, deren Artikel auf Bio-Baumwolle seit einigen Jahren fair, transparent und CO2-kompensiert produziert wird. Das hat der WWF in seinem «Changing fasion»-Bericht bereits 2017 hervorgehoben.
Fashion Transparency Index 2022
Der Bericht listet alljährlich die Fort- oder Rückschritte bezüglich Transparenz der globalen Modeindustrie in Sachen Umwelt, Fairness und soziale Rechte auf. Herausgegeben wird er von der NGO Fashion Revolution. Sie wurde 2013 von den beiden Modedesignerinnen Carry Somers und Orsola De Castro gegründet.
Zum Index 2022


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