Einmarsch der Haushalts-Roboter

173 Zentimeter gross, 57 Kilo schwer: Der Hilfs-Roboter von Elon Musk wird wohl diesen Monat präsentiert. Wir zeigen, was da anrollt.

2.09.2022
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Optimus von Tesla könnte schon bald in den Haushalten auftauchen | Bild: PD Tesla
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So viel ist bekannt: Er heisst Optimus (ein lateinischer Maskulin), ist 1,73 Meter gross und wiegt 57 Kilogramm. Er hat zwei Arme, einen Kopf und zwei Beine.
Was genau er soll, ist noch unklar. Aber sein Vater Elon Musk hat da schon einige Ideen: Dinge heben, die bis 20 Kilogramm schwer sind. Einkaufen gehen. Und am Ende vielleicht sogar unsere Erinnerungen speichern.
Jedenfalls soll er ein nützliches Wesen werden – ein «Worker-Droid», der repetitive, langweilige oder gefährliche Arbeiten übernimmt. Und Musk gibt auch eine gute Begründung, warum sein Optimus wie ein Mensch aussehen muss: «Die Menschheit hat die Welt so gestaltet, dass sie mit einem zweibeinigen Humanoiden mit zwei Armen und zehn Fingern interagiert.»
Wenn man also einen Roboter haben wolle, der in die Welt passt und Dinge tun kann, die Menschen tun können, müsse er ungefähr die gleiche Grösse, Form und Fähigkeit besitzen. Noch in diesem Monat will Elon Musk seinen Optimus vorstellen.

Forscher zeigen: Roboter lernt von Menschen

Doch wie weit ist die Entwicklung tatsächlich? Was könnte ein Optimus bald schon können?
Im Juni zeigten Forscher der US-Universität Carnegie Mellon, welche Tätigkeiten im Haushalt sie einem einfachen Roboter mit modernster Technologie beibringen konnten. Und zwar alleine, indem er Menschen dabei beobachtete, wie sie Schranktüren öffneten oder Objekte transportierten.
Künstliche Intelligenz ist das Schlagwort, und der Katalysator für die aktuelle Entwicklung von Apparaten zu humanoiden Robotern, die mehr können als blinken und quaken. Sie ermöglicht es der Wissenschaft und der Wirtschaft, Chips und Software in menschliche Fähigkeiten zu verwandeln. Und das mit immer schnellerem Tempo.

Tech-Firmen auf dem Sprung

Längst haben die Digitalkonzerne Amazon und Alphabet Witterung aufgenommen und investieren viel Geld in die Zukunftstechnologie. Denn: In den nächsten fünf Jahren prognostiziert das Marktberatungsfirma Mordor Intelligence eine Verdreifachung der Ausgaben für Hausroboter – auf 22 Milliarden Dollar.
Da erstaunt es nicht, dass Amazon kürzlich den Hersteller der Roomba-Staubsaugroboter iRobot übernommen hat. Tatsächlich könnten die Putzgeräte für die Roboter-Branche schon in wenigen Jahren das sein, was Atari Pong für die Gaming-Industrie wurde: ein Inititalzünder.

Amazon Astro als Test

Amazon Astro fährt Bier durch die Wohnung und ist unterhaltsam.
Amazon brachte 2021 ohne grosses Aufheben bereits den rollenden Roboter Astro auf den US-Markt. Kaufen können Amazon-Kunden den Computer auf 3 Rädern nur auf Einladung und zum Preis von 1'450 Dollar.
Einige Kunden haben ihre ersten Erfahrungen mit dem Magazin «Verge» geteilt: Astro kann demnach eine Bierbüchse herumfahren und Hunde erschrecken. Es misst die Räume einer Wohnung aus und merkt sich Gesichter.

Roboter für Menschen mit Beeinträchtigungen

Sinnvollere Tätigkeiten bringt ein Roboter zustande, der ganz im Gegensatz zu Optimus optisch keine Anleihen an Mensch und Tier macht.
Labrador Retriever: ein ganzes Roboter-System für den Haushalt.
Der Retriever von Labrador ist eine Haushalthilfe für Menschen mit Beeinträchtigungen. Er trägt, fährt, schiebt Gegenstände wie Einkäufe, Teller oder Wäsche durch die Wohnung. Mittels Alexa von Amazon versteht er mündliche Befehle.
Der Prototyp wird aktuell in einigen Haushalten getestet. Wer heute bestellt, soll den Retriever laut Homepage in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres erhalten.
Das Basismodell kostet 1500 Dollar, zusätzliche Elemente, die individuell eingebaut werden, können den Rollkorpus mit Hilfsfunktionen bis auf 8000 Dollar verteuern.

Putzen: ja, kochen: nein

Auch «Stretch» von Hello Robot ist optisch das komplette Gegenstück zu Optimus. Für 20'000 Franken erhält man eine Art Kleiderständer auf einem fahrenden Computer, der trainiert werden kann, zu wischen, staubzusagen, die Waschmaschine zu bedienen oder mit dem Hund zu spielen (wenn der Hund dazu bereit ist).
Sein digitales Hirn ist lernfähig, und das Gerät modular aufgebaut. Wie der Retriever von Labrador richtet sich Stretch an ein Zielpublikum, dessen Mobilität eingeschränkt ist.
«Stretch», ein Cobot (Collaborative Robot) von Hello Robot für 20'000 Dollar.
Was also werden die ersten Roboter im Haushalt können? Geht man nach den aktuellen Typen, so geht es vor allem um drei Dinge:
  1. Menschen mit Beeinträchtigungen helfen und betreuen.
  2. Räume ausmessen, abfahren und auf diese Weise überwachen.
  3. Putzen und andere einfache Haushaltsarbeiten ausführen.
Was auffällt: Keiner der Roboter hat ein Talent fürs Kochen. Vor drei Jahren zeigten Samsung und Sony erstmals Prototypen von Kochrobotern. Inzwischen hat man kaum mehr etwas von ihnen gehört. Vielleicht aber genügt es am Ende auch, wenn der erste Robotermensch Fertigpizzas in den Ofen schieben kann.
China schlägt mit Cyberone zurück
Der chinesische Elektronikhersteller Xiaomi hat rechtzeitig vor dem Termin für die Präsentation des Tesla-Humanoiden Optimus erste Eindrücke des eigenen Modells Cyberone präsentiert. Der Robotermensch soll mit 1,77 Meter vier Zentimeter grösser als Optimus sein, dafür wiegt er 5 Kilogramm weniger.
Der Roboter aus China kann mit Menschen interagieren. Ob Cyberone auch für Arbeit im Haushalt gedacht ist, lässt der Hersteller offen. Die Produktionskosten eines Exemplars betragen rund 100'000 Franken, was ihn als Haushaltshilfe vorerst noch unbezahlbar macht.
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Cyberone von Xiaomi | Bild: PD Xiaomi
Das Teaser-Video dazu ist hier zu sehen.

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