«Es schweisst uns zusammen»: Warum Amazon seine Teams ins Büro zurückholt

Konzernchef Andy Jassy erläuterte den Amazon-Angestellten, weshalb er sie nicht mehr im Homeoffice haben will. 7 Argumente aus dem internen Memo.

21.02.2023
letzte Aktualisierung: 14.03.2023
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Amazon-Angestellte im Konzern-Hauptquartier in Seattle  |  Bild: PD
Es war ein Laborversuch, das aus der Not geboren wurde: Bei Ausbruch der Covid-Pandemie im Frühjahr 2020 schickte auch Amazon sein Büropersonal ins Home Office  – wo immer möglich, weltweit.
Ab der zweiten Jahreshälfte 2021 galt dann der Grundsatz, dass die Direktoriums-Mitglieder entscheiden, wie in ihrem Bereich gearbeitet wird. Dies wiederum ergab beim Konzerngiganten mit rund 1,5 Millionen (!) Angestellten ein interessantes Wirklichkeit-Experiment.
Amazon konnte rund 18 Monate lang alle Teamvarianten beobachten und gegeneinander abwägen: ob Vollbesetzung im Büro, ob Fifty-Fifty-Lösungen – bis hin zur längeren Phasen, in denen Teams komplett im Homeoffice weiterarbeiteten.
Die Konzernleitung unter CEO Andy Jassy hat die Daten inzwischen ausgewertet. Und ihre Einsicht ist klar: Amazon wünscht, dass das Personal mehrheitlich zurückkehrt an den Firmenarbeitsplatz.

Fragen per Zoom-Call?

Deshalb gilt ab Mai 2023 die Regel, dass der grössten Teil der Arbeit vor Ort verrichtet wird und dass jeder an mindestens drei von fünf Arbeitstagen anwesend ist.
In einem Memo an die Mitarbeiter führte Konzernchef Jassy sehr detailliert aus, welche Vorteile er darin sieht. Hier sieben Argumente aus Jassys Text:
1. Man lernt, übt, modelliert einfacher, wenn man die meiste Zeit gemeinsam im Büro ist, umgeben von den Kollegen. Das stärkt auch die Unternehmenskultur.
2. Wer nicht ganz sicher ist über einen Entscheid, über ein Ereignis oder eine Reaktion, stellt vor Ort viel schneller und leichter Ad-hoc-Fragen – oder er stellt sie auf dem Weg zum Lift, zum Lunch oder in den Gängen. Von daheim aus stellt man viele offene Fragen nicht.
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Andy Jassy, CEO Amazon.
3. Es ist einfacher für die Kaderleute, etwas zu erläutern, wenn man mehrere Leute gemeinsam im Raum hat. Man merkt eher, ob die Anwesenden die Information auch richtig wahrnehmen. Und falls nicht, spürt man in dieser Lage besser, wie man die Kommunikation anpassen muss –  eher jedenfalls als bei einem Online-Call.
4. Zusammenarbeit und kreative Arbeit sind einfacher und effizienter, wenn es persönlich stattfindet. Man feilt freier und engagierter an den Ideen.
5. Einige der besten Innovationen haben ihren Durchbruch an den Rändern – etwa wenn einige Leute nach einer Sitzung noch ums Whiteboard herumstehen; wenn sie gemeinsam ins Büro zurückläufen; oder wenn jemand irgendwann später am gleichen Tag mit einer neuen Idee ins Büro des Kollegen reinläuft.
6. Im persönlichen Kontakt lernt man eher voneinander. Es fällt allen leichter, kurz rüberzugehen und jemandem eine Frage zu stellen, als deswegen anzurufen oder als sich per Slack zu informieren.
7. Wenn sich die Leute öfter sehen, sind die Teams auch besser miteinander verbunden. Oder wie CEO Jassy schreibt: «Jemandem von Angesicht zu Angesicht gegenüberzustehen, ihm in die Augen zu schauen und zu sehen, dass er vollständig drin ist in dem, was Sie sagen – das schweisst Menschen zusammen.»
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