Jetzt offiziell: Die Migros kommt mit «Coffee Balls»

Mit gartenkompostierbaren Kaffeekapseln attackiert der M-Konzern Nespresso. Erst in der Schweiz und Frankreich, bald auch in Deutschland.

6.09.2022
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Vollökologische Kaffeekugel: Das Ei des Kolumbus? |   Bild: PD
Die Lancierung wurde als grösste Produktinnovation in der Geschichte der Migros angekündigt, und Fabrice Zumbrunnen bleibt dabei: An der Präsentation am MGB-Hauptsitz in Zürich sprach der Migros-Konzernchef von einer «Weltneuheit», welche die grösste Innovation seines Hauses sei.
Zumbrunnen bestätigte, was ansatzweise bereits herausgesickert war: Die Migros lanciert quasi Kaffeekapseln ohne Kapseln. Die Rede ist jetzt von «Coffee Balls», welche die alten Kapselsysteme ablösen können und sollen.
Konkret entwickelte ein Team der Migros-Tochter Delica ein System, mit dem sich der Kaffeeabfall samt Umhüllung innert vier Wochen in kompostierbaren Humus verwandelt. Die zugehörigen Maschinen wurden in der Schweiz entwickelt.
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Eigenentwicklung: Kaffeekapsel-Maschine der Migros  |  Bild: roz
Hiermit soll das ökologische Problem, das die 63 Milliarden weltweit verkauften Kaffeekapseln stellen, umfassend gelöst werden.
Die «Coffee B»-System wird ab sofort in 650 Schweizer Migros-Filialen erhältlich sein, ferner in Frankreich. Ab nächstem Jahr sollen die Kaffeebälle auch in Deutschland lanciert werden. Weitere Märkte seien in Planung, denn das Interesse bei internationalen Partnern sei sehr gross, sagte Migros-Chef Zumbrunnen vor den Medien. «Und wir hoffen natürlich, dass es heute noch grösser wird.»

«Das letzte System»

Der Star des Systems sei der «Coffee Ball», meinte Frank Wilde, der zuständige Markenmanager. Um gepressten Kaffee wird eine kleine Schutzschicht gebildet – die Aromen bleiben drinnen, der Sauerstoff draussen. Die Schutzschicht ist pflanzenbasiert, gewonnen wird sie aus Algen.
Die Migros verspricht, dass alle Kaffeebohnen von der RainForest Alliance zertifiziert sind – sowie dass die Kapseln vom Ursprung bis zur Entsorgung CO2-kompensiert werden. Die sekundäre Verpackung entspreche in etwa einem Eierkarton; es ist eine Hülle, die man mit dem Altpapier entsorgen kann.
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Frank Wilde, Brand Director Café Royal, bei der Erläuterung des Kapsel-Systems  |  Bild: roz
Viele Konsumenten hätten gerne eine Kapselmaschine, aber ohne Müll danach: So fasste Migros-Manager Wilde die Basisidee zusammen. Sein Fazit: «Wir denken, dass Coffee B nun das letzte System sein sollte.»

Start mit 8 Sorten

Lanciert werden die Kaffeekugeln in acht Sorten. Denn acht Aromen genügten, um die Vorlieben von 94 Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz und in Frankreich abzudecken, so Wilde.
Viele Details der grossen Migros-Lancierung waren in den letzten Tagen bereits herausgesickert – unter anderem, weil der französische Retail-Blogger Olivier Dauvers an Unterlagen gelangt war, welche die Migros bei Präsentationen im Handel vorgelegt hatte.
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Screenshot von «Le Web Grande Conso»
Ghassan Kara, der CEO von Delica France, erklärte die Parallel-Lancierung im Nachbarland damit, dass Frankreich weltweit einer der grössten Märkte für Kaffeekapseln darstellt. Obendrein sei Café Royal – also die Kaffeemarke der Migros-Tochter Delica – dort sehr stark.
Die «Coffee Balls» werden denn auch unter der eingeführten Migros-Eigenmarke Café Royal verkauft.

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