Laborfleisch: Die Migros zündet die nächste Stufe

Laut einer gemeinsamen Absichtserklärung mit Supermeat in Israel will der Detailhändler die industrielle Produktion von kultiviertem Fleisch rasch und in grossem Umfang angehen.

28.07.2022
image
Bericht im Migros-Magazin vom 18. Juli über Fleisch von Supermeat | Bild: Screenshot Migrosmagazin.ch
Das israelische Start-up Supermeat und die Migros stärken ihre Partnerschaft. In einem «Memorandum of Understanding» erklären sie die gemeinsame Absicht, die Produktion und den Handel mit im Labor erzeugtem Fleisch zu beschleunigen.
Laut dem Statement, welches das Unternehmen in Tel Aviv gestern versandte, will das Duo eine grossflächige Infrastruktur zum Verkauf von kultiviertem Fleisch errichten – «on a wide scale», so der Text. Damit wiederum soll «die Nachfrage von Europas Konsumenten» nach den Hightech-Essware befriedigt werden.

«Fleischindustrie verändern»

Zitiert wird Matthew Robin, CEO der Migros-Tochter ELSA-Mifroma: «Konsumenten verlangen nach nachhaltigeren, gesünderen Proteinprodukten und die Migros möchte versichern, dass sie bereit ist, den Bedarf dieser wachsenden Gruppe von Konsumenten erfüllen zu können, sobald die Zeit dazu kommt.»
Robin berichtet von einem Besuch im Betrieb von Supermeat in Israel, wo ihn die Ähnlichkeit von kultiviertem Geflügelfleisch zu natürlichem sehr beeindruckt habe: «Es hat mich in der Überzeugung bestätigt, dass diese Technologie das Potenzial dazu hat, die Fleischindustrie zu verändern.»

Behörden-Fragen

Über den Besuch der Migros-Delegation bei Supermeat in Tel Aviv berichtete das «Migros-Magazin» soeben ausführlich, inklusive eines Geschmackstests des kultivierten Fleisches. In der Zeitung wird Matthew Robin dahingehend zitiert, dass die Migros den Fleischersatz aus dem Labor in ein paar Jahren in den Kühlregalen anbieten werde, sobald «die Behörden alle Fragen geklärt haben».
Nun ist es keine Neuigkeit, dass die Migros mit Supermeat zusammenarbeitet und dort seit 2021 investiert ist. Bekannt ist auch, dass der M-Konzern sich bereits 2019 bei einem anderen israelischen Laborfleisch-Startup beteiligt hat, bei Aleph Farms aus Rechovot.
Insofern ist die Absicht des gestrigen Communiqués unklar – ausser dass sich zwei Aspekte herauslesen lassen: Erstens denken die Partner offenbar durchaus gross und visieren den ganzen europäischen Raum an; zweitens wird es langsam konkret, dass kultiviertes Fleisch in die Regale kommt.

Migros: Laborfleisch zunächst in Restaurants

Oder wie es Ido Savir, der CEO von SuperMeat, in seinem Lob an die Migros formuliert: «Ihr Fachwissen und ihre Reichweite in der Lebensmittelproduktion und im Detailhandel schaffen – gepaart mit den Fortschritten von SuperMeat – die Voraussetzungen, um den europäischen Konsumenten in naher Zukunft kultiviertes Fleisch anzubieten.»
Auf Anfrage von Konsider weist die Migros in einer Stellungnahme darauf hin, dass die Medienmitteilung nicht von ihr, sondern von Supermeat stamme. «Bis zur Marktreife dauert es noch ein paar Jahre, zudem werden wohl zuerst Restaurants mit Fleisch bedient», kommentiert Mediensprecher Marcel Schlatter.
  • food
  • fleisch
  • migros
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
1 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Auch interessant

image

Lidl Schweiz: Nicholas Pennanen bleibt

Der designierte Schweiz-Chef kommt auf eine neue Position in der Lidl-Stiftung. Zugleich kommt es zu anderen Rochaden zwischen Lidl Schweiz und Lidl Österreich.

image

Migros: Schon viele feste Stellen in temporäre Jobs umgewandelt

In einem Interview deutete Konzernchef Mario Irminger an, wo die nächsten Positionen wegfallen.

image

Deutschland: Mediamarkt ohne CoffeeB

Der Elektronik-Händler lässt den Verkauf des Migros-Kaffee-Systems auslaufen.

image

MediaMarkt kauft Melectronics-Filialen

Der Elektronikhändler übernimmt 20 Standorte der Migros-Fachmarktkette und führt sie weiter.

image

Schon wieder: El Tony Mate ist Marke des Jahres

Zum ersten Mal konnte eine Marke beim Promarca-Preis ein zweites Mal hintereinander gewinnen.

image

Emmi setzt jetzt auch auf heissen Kaffee

Der Milchverarbeiter übernimmt die Luzerner Kaffeerösterei Hochstrasser.