Deutscher Food-Report: Mehrheit will nachhaltig sein

Wenn man die Menschen fragt, unterstützen die meisten Bio, Öko, Tierwohl. Die Realität sieht aber anders aus.

12.07.2022
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Drei von fünf Deutschen achten beim Fleischkauf auf Tierwohl-Label. Diese taugen häufig wenig | Bild von: Daiga Ellaby on Unsplash
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Der neueste Ernährungsreport des deutschen Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft macht auf einen gewissen Zwiespalt zwischen Absicht und Umsetzung beim Einkauf nachhaltiger Produkte aufmerksam.
Der Bericht gibt an, dass die befragten Konsumenten mehrheitlich auf Regionalität (64 Prozent), Tierwohllabel (61), Biosiegel (60) sowie Nachhaltigkeit beim Fischkauf (55) und fairen Handel (53) achten.

Lücke zwischen Wollen und Tun

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Mehrheitlich für alles Gute: Illustration aus dem «Ernährungsreport 2022» | Bild: PD
Tatsächlich sind aber lediglich 6,8 Prozent aller in Deutschland verkauftenLebensmittel Bio-Produkte – obwohl laut dem Report drei von fünf Konsumenten auf Bio-Qualität achten.
Auf Fairtrade-Produkte achten laut der Umfrage mehr als die Hälfte. Der Anteil liegt aber in den meisten Segmenten im einstelligen Prozentbereich; Spitzenreiter sind Bananen mit 17 Prozent.
Auch in Sachen Tierwohl steckt im Bericht mehr Schein als Sein: Auf entsprechende Label achten ebenfalls drei von fünf Konsumenten – so die Umfrage. Die Deutsche Verbraucherzentrale wies 2021 allerdings darauf hin, dass weniger als fünf Prozent des verkauften Rindfleisches aus «extensiver Zucht» stammt.

Labelsalat beim Tierwohl

Der hohe Ja-Anteil beim Tierwohl lässt vermuten, dass viele der Befragten sich im Label-Salat der deutschen Produzenten und Tierschutzvereinen verheddern. Die Stiftung Warentest kommt jedenfalls nach einem Durchblick aller Gütesiegel zum klaren Schluss: «Für Tierfreunde ist daher Biofleisch im Vergleich zu konventioneller Ware die bessere Wahl.»
Label wie jene der «Initiative Tierwohl» oder «Für mehr Tierschutz» seien eher irreführend denn zweckdienlich.
Insgesamt liegt der Pro-Kopf-Konsum der Deutschen von Bio-Produkten pro Jahr bei nur 180 Euro – verglichen mit der Gesamtsumme für Lebensmittel und Getränke von durchschnittlich 4500 Euro.
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