In der Konsumflaute dümpelt auch der E-Commerce

Wo spürt es der Online-Handel besonders stark, wenn sich die Kunden vorsichtig werden? Wo nicht? Daten aus Deutschland deuten es an.

8.07.2022
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Symbolbild von: Mika Baumeister on Unsplash
  • e-commerce
  • non-food
«Erst bei Ebbe zeigt sich, wer nackt dasteht: Im zweiten Quartal 2022 schlägt das schlechte Konsumklima auf den E-Commerce durch.» So eröffnet der Branchenverband des deutschen E-Commerce BEVH seine Erläuterungen zu den Entwicklungen in den letzten Monaten.
In Zahlen: Beim deutschen E-Commerce mit Waren ergab sich im zweiten Quartal ein Minus von 9,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Allerdings: Die Gesamtumsätze des Online-Handels liegen noch immer 8 Prozent über dem Vergleichswert im zweiten Quartal 2020 (wo der E-Commerce doch schon von der Lockdown-Stimmung profitieren konnte). Und sie liegen satte 26 Prozent über dem Wert im Vor-Corona-Jahr 2019.

Vorteil Transparenz

Insgesamt sanken Deutschlands E-Commerce-Umsätze im ersten Halbjahr 2022 um 1,3 Prozent unter die Halbjahresumsätze von 2021. Aber sie lagen um 33 Prozent über dem Wert des ersten Halbjahres 2019.
Basis dieser Aussagen ist die Erhebung «Interaktiver Handel in Deutschland», bei der 40'000 Privatpersonen aus Deutschland zum Ausgabeverhalten im Online- und Versandhandel befragt werden – durchgeführt durch Beyonddata.
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In Millionen Euro |   Quelle: bevh
«So normal der E-Commerce für die Menschen geworden ist, so wenig kann er sich der weitreichenden Störung des Konsumklimas, wenn nicht der Gesamtwirtschaft, entziehen»: So interpretiert Martin Groß-Albenhausen die Daten; er ist stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim BEVH.
Andererseits biete der sehr transparente Online-Handel gerade in schwereren Zeiten eine solide Beschaffungs-Form: «Wenn eine Anschaffung sich nicht aufschieben lässt, stellt der Onlinekauf eine überzeugende Alternative dar», so der BEVH.

Back to the Shop

Das zeige sich am weiterhin wachsenden Umsatz bei Haushaltsgrossgeräten (+ 6,1 Prozent) oder Spielwaren (+ 5,1 Prozent). Auch bei Medikamenten war das E-Commerce-Wachstum im ersten Semester deutlich (+ 5,4 Prozent).
Auf der anderen Seite wurde die Lage fragil beim täglichen Bedarf (–1,4 Prozent) – dieses Feld setzt sich aus den Segmenten Lebensmittel (–4,7 Prozent), Drogerieprodukte (–2,1 Prozent) und Tierbedarf (+ 6,7 Prozent) zusammen.
Das stärkste Minus verzeichneten zuletzt Elektronikprodukte (–19 Prozent), gefolgt von Büchern/E-Books/Medien (–16,5 Prozent) sowie Blumen & DIY (–15,5 Prozent).
Ebenfalls drastisch kühlte sich das Cluster Unterhaltung ab (– 16 Prozent) und auch Kleider und Schuhe wurden im ersten Halbjahr deutlich weniger verkauft als im ersten Semester 2021 (–11 Prozent).

Vorteil für reine Online-Händler

Von der aktuellen Verunsicherung der Konsumenten sind die Händler offenbar unterschiedlich betroffen:
  • Reine Onlinehändler verbuchten im zweiten Quartal ein Minus von 5,6 Prozent; fürs ganze Halbjahr resultierte noch ein Plus von 4,2 Prozent (jeweils gemessen am gleichen Vorjahreszeitraum). Das war insgesamt überdurchschnittlich.
  • Online-Marktplätze hielten sich mit einem Umsatzminus von 9,7 Prozent im zweiten Quartal auf dem Durchschnittsniveau, im Halbjahresvergleich kamen sie auf 0,3 Prozent Wachstum.
  • Die Multichannel-Händler (Läden mit zusätzlichem Online-Standbein) verloren im E-Commerce deutlich stärker als der Durchschnitt: nämlich 14,6 Prozent. Hier könnte sich eine Rückkehr von Kunden in die stationären Geschäfte der Unternehmen spiegeln, mutmassen die Experten des BEVH. Die Umsätze im gesamten ersten Halbjahr lagen im Multichannel-Handel 1,9 Prozent tiefer als im Vorjahreszeitraum.


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