Food hat in den Onlinemedien schon bessere Zeiten erlebt

Das Thema Essen verlor laut einer Analyse von Social Media nach Covid an Bedeutung. Die Kommentare sind zudem kritischer geworden.

24.09.2023
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Kein echter Food: Bowl mit KI-generierten Lebensmitteln | Bild: Fotor AI-Image Generator
In Online-Konversationen und -Posts ist das Essen im heute nicht mehr so wichtig wie in früheren Jahren. Generell ist Food heute weniger häufig ein Thema in der Kommunikation auf Social Media: 2022/2023 sind die Erwähnungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum – also den Monaten gegen Ende der Covid-Krise – um 16 Prozent zurückgegangen. Dies eruierte der «Food-Trends-Report» von Brandwatch.
Erstaunlich: Besonders die positiven Erwähnungen haben sich deutlich verringert – um stolze 45 Prozent. Angesichts der Inflation und der rekordverdächtigen Lebensmittelpreise sei es jedoch «nicht verwunderlich, dass Lebensmittel für immer mehr Verbraucher zum Problem werden», so die Analysten.

«Ekel» nimmt zu

Statt Freude und Genuss wurden in dieser Zeit immer häufiger «Abscheu» und «Ekel» über Lebensmittel und Essen ausgedrückt. «Ekel» sei die einzige Emotion, deren Erwähnung zugenommen hat.
Das hänge zum Teil damit zusammen, dass viele Nutzer kommunizieren, was sie angeblich nicht mehr vertragen würden (wegen Allergien etwa), oder dass sie ihre Nahrung umstellen (etwa von Fleisch auf vegane Lebensmittel). Auf die beiden negativen Schlagworte folgen laut der Analyse «Genuss» und «Wut».
So entstand die Studie
Brandwatch Consumer Research nutzte für seinen Bericht Food and Beverage Trends Report 2023 öffentliche Online-Konversationen von Konsumenten über Lebensmittel und Getränke auf Englisch, Französisch, Deutsch und Spanisch. Erhoben wurden die Daten zwischen dem 1. Juni 2022 und dem 31. Mai 2023 auf Social-media-Kanälen.
Aber wenden wir uns zuerst dem Format zu, in dem Lebensmittel und Essgenuss in der Onlinekommunikation am häufigsten beschrieben werden: den Emojis.

Emojis: Pflanze schlägt Pizza

Laut der Datenanalyse von Brandwatch waren im untersuchten Zeitraum die folgenden 10 Emojis am beliebtesten.
1
🌱
Steht meist für vegane und gesunde Ernährung.
2
🍕
Bedarf keiner Erklärung.
3
🍔
Wird meist in Beiträgen über das Essen in Restaurants verwendet.
4
🥗
Wird oft in Gesprächen über das Mittagessen verwendet.
5
Die Kaffeetasse ist auf Twitter am beliebtesten.
6, 7, 8
🍓 🍌 🍎
Obst-Emojis begleiten meist Beiträge zu gesunder Ernährung und Lebensweise.
9
🎂
Torten stehen für Geburtstags- oder Hochzeitsgrüsse.
10
🍰
Da geht es selbstredend um Desserts, aber auch ums Frühstück.
Interessant: Während das Pizzastück in den USA, Grossbriannien sowie in spanischen Texten am häufigsten sind, setzen Deutsch- und Französischsprachige das grüne Pflänzchen am meisten, das für veganes oder gesundes Essen stehen soll.

Hashtags: #Vegan an erster Stelle

Die häufigsten Hashtags, die in Food-Konversationen eingesetzt werden, sind «vegan», «travel», «food» und «foodie».
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Der Hashtag «Travel» wird am häufigsten in Italien, Griechenland, Kanada und der Karibik gesetzt | Quelle: Brandwatch Consumer Research
Der Megatrend «Vegan» steht unangefochten auf Rang 1 und hat um rund einen Viertel an Erwähnungen zugelegt. Während Travel (nach der Covid-Phase) erwartungsgemäss massiv zulegte, ist der Begriff healthy (gesund) hinter plantbased (pflanzlicher Fleischersatz) zurückgefallen.

Fotos: Bowls, Bowls, Bowls

Der Food-Trends-Report zählte auch die Fotoobjekte (also Gerichte), die online zum Thema Food präsentiert oder ausgetauscht werden. Hier zeigt sich, dass der Trend «Bowls» (Schalen, gefüllt mit allergattig Lebensmitteln) noch immer an der Spitze steht. Das ist insofern erstaunlich, als dass dieser bereits seit über fünf Jahren zu beobachten ist – und sich nicht inhaltlich, sondern im Grunde nur durch die Darreichungsform auszeichnet.
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Fermentiertes («Fermented foods») ist zwar ein Minderheitenthema, aber dennoch auf Platz 4 | Quelle: Brandwatch Consumer Research
Nach (Sprach)regionen ausgewiesen, zeigt sich, dass Fermentiertes – kein Mainstream-Lebensmittel – insbesondere bei Französisch- und Deutschsprachigen ein grosses Thema ist, während es Pilze in den englischsprachigen Regionen und im Asiatisch-Pazifischen Raum (APAC) auf das Treppchen schaffen.
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Quelle: Brandwatch Consumer Research
Bei genauerer Betrachtung wird allerdings klar, dass dabei in erster Linie über Kaffee aus Pilzen geschrieben wurde – der aktuelle Hit in diesen Ländern, da er gegenüber echtem Kaffee gesundheitliche Vorteile haben soll. Mit über 4 Millionen Erwähnungen in den untersuchten SoMe-Kanälen nimmt Kaffee vor Tee (2 Millionen) und Saft (1 Million) deutlich den Spitzenrang ein.

Delivery etwas häufiger Thema als vor Covid

Ebenfalls untersucht – und mit den Vorjahren verglichen – wurde der Verweis auf Lebensmittel-Lieferungen (grocery and food delivery). Die Erwähnungen dieses Themas sind ein Jahr nach Covid wieder fast auf das Niveau von 2019 zurückgefallen.
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Quelle: Brandwatch Consumer Research
Brandwatch hat dazu nachgeforscht, in welchen Zusammenhängen die Essenslieferungen positiv oder negativ konnotiert wurden. Klar ist: An der Qualität der gelieferten Produkte, dem Service und der Nachhaltigkeit üben viele User Kritik.
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Quelle: Brandwatch Consumer Research
Ebenfalls sehr kritisch fallen die Äusserungen der Social-Media-Nutzer zum Thema Restaurant aus. Es findet mit dem Beginn der Covid-Lockdowns Anfang 2020 ein regelrechtes Gastronomie-Bashing statt, wenn die negativen den positiven Anmerkungen gegenüber gestellt werden. Auch heute ist böse Kritik an Restaurants noch fast doppelt so häufig zu finden wie nette.
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Quelle: Brandwatch Consumer Research
Gründe dafür seien die gestiegenen Preise in Restaurants und die Wahrnehmung, dass das Preis-Leistungsverhältnis nicht mehr stimmt, so der Bericht. Auch lange Wartezeiten (vielleicht wegen Personalmangels) werden beklagt, und häufig werden erstmalige Lokalbesuche als enttäuschend beschrieben.

Plantbased fällt als Thema zurück

Ebenfalls auf Vor-Covid-Niveau zurückgefallen ist das Gesprächsthema Plantbased – also pflanzenbasierte Fleischalternativen. Nach einem absoluten Tiefpunkt im Oktober 2021 erreicht es heute noch ein ähnlich grosses Interesse wie 2019.
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Quelle: Brandwatch Consumer Research

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