Jetzt doch: Globus dürfte bald thailändisch sein

Die Verhandlungen über den Verkauf grosser Luxuskaufhäuser an die thailändische Central Group stehen offenbar kurz vor dem Abschluss.

2.04.2024
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Globus in Zürich wird Thai, Pestalozzi bleibt Zürcher. | Bild: Zuerich.com
Südostasien also. «Aus vertrauten Kreisen» hat das deutsche «Handelsblatt» erfahren, dass Globus an der Zürcher Bahnhofstrasse einen neuen Besitzer bekommt: den thailändischen Milliardär Tos Chirathivat respektive dessen Central Group. Der asiatische Konzern hält bereits 50 Prozent der Schweizer Luxus-Warenhausgruppe.
Neben dem Zürcher Traditionshaus liegen weitere Perlen im Warenkorb aus dem Bankrott von René Benkos Signa-Gruppe. Etwa das 1909 gegründete Selfridges in London und das im Kalten Krieg berühmt gewordene KaDeWe in Berlin. An beiden auf Designer und Marken spezialisierten Luxus-Tempeln hält Chirathiavats Central Group bereits eine knappe Mehrheit.

Abschluss noch vor dem Sommer

Es gehe eher um Wochen als um Monate, bis die Verhandlungen abgeschlossen seien, schreibt das «Handelsblatt» weiter.
Die Central Group sei der «der bevorzugte Partner», da die Holding seit Jahren in vielen Projekten mit der insolventen Immobilienfirma Signa von René Benko geschäftlich verbunden war.
Weitere Vorteile der Central Group bei den Übernahmeverhandlungen sind der finanzielle Spielraum der Eigentümerfamilie sowie etliche Mitarbeiter, die den europäischen Markt und vor allem die zum Verkauf stehenden Warenhäuser bereits bestens kennen.
Dass die Thais einfach die Mehrheit «ihrer» Warenhäuser aus den Signa-Konkursen übernehmen – diese Lösung galt von Beginn an als naheliegend und auch wahrscheinlich. Im Dezember betonte der Familienkonzern aus Bangkok selber, dass er «ein unterstützender Aktionär von Globus» bleiben wolle, mit dem Ziel, das «business as usual» fortzusetzen. Allerdings gingen sie in den folgenden Wochen dann auch mehrfach auf Abstand. Offenbar waren sie im Prozess der Zerlegung der Signa-Gruppe in den Poker-Modus gewechselt – mit der Botschaft: Wir lassen uns nicht drängen.

Top Player in Europa

Nun aber scheint die Rechnung doch aufzugehen für die Central Group. Mit dem Kauf würde das Unternehmen auch in Europa der entscheidende Akteur im Warenhausgeschäft. Einzig an der deutschen Kaufhauskette Galeria hat die Central Group offenbar kein Interesse. Dort zeichnet sich eine andere Lösung ab.
Der Verkauf der Luxus-Warenhäuser laufe unter dem Codenamen «Project Prestige», die Central Group habe sich nicht zum Verhandlungsstand geäussert. Das «Handelsblatt» beruft sich auf «mit den Vorgängen vertraute Kreise». Eine Sprecherin bestätigte gegenüber der Wirtschaftszeitung nur, dass sei weiterhin bestrebt sei, die europäischen Vermögenswerte zu unterstützen.
Milliardär Tos Chirathivat übernahm 2013 die Führung der Central Group, die sein Grossvater gegründet hatte. Das Vermögen der Familie wird auf über elf Milliarden Dollar geschätzt. Sie besitzt in Asien mehrere grosse Handelsketten und Einkaufszentren.
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