Konzerne wie Mondelez, PepsiCo und Mars blieben in Russland – mit Gewinn

Sanktionen haben einen Vorteil: Wer trotzdem bleibt, hat weniger Konkurrenz.

9.07.2023
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Interessanterer Markt als auch schon: Abendstimmung in Moskau: Ivan Karpov on Unsplash von: on Unsplash
Der Angriff des Putin-Regimes auf die Ukraine zwang die meisten westlichen Konzerne zum Abzug aus Russland. Für jene Unternehmen aber, die blieben, hat das offenbar auch gewisse Vorteile: Weil reihenweise Konkurrenten wegfielen, konnten sie ihr Geschäft vergrössern.
Die amerikanische Wirtschaftsagentur «Bloomberg» hat nun einige Beispiele und Kennzahlen dazu recherchiert:
  • Mondelez Russland steigerte seine Umsätze letztes Jahr um 38 Prozent auf umgerechnet 1,1 Milliarden Dollar. Der Hersteller von Milka, Toblerone und Oreo konnte zugleich den Gewinn verdoppeln – offenbar weil er auch die Preise erhöhen und die Werbeaufwendungen senken konnte.
  • Mars steigerte den Umsatz um 14 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar. Der Gewinn sprang um 58 Prozent auf umgerechnet etwa 300 Millionen Dollar.
  • PepsiCo konnte die Umsätze in Putins Reich um 16 Prozent steigern, während sich die Gewinne vervierfachten. Dies obwohl der Getränke- und Snack-Konzern einen Teil seiner Marken dort nicht mehr verkauft, darunter 7Up und Pepsi. Im den russischen Läden geblieben sind Chips, Milchprodukte, Babynahrung und lokale Getränke.
«In jeder Krise gibt es auch Gewinner», zitiert Bloomberg dazu eine Analystin von S&P Global Market Intelligence.

Vorteil hier, Kritik da

Die Sache hat allerdings auch einen Preis: Mondelez beispielsweise wurde von der Ukraine auf eine Prangerliste der «Kriegssponsoren» gesetzt, was insbesondere in Skandinavien Reaktionen auslöste und dort Grosskunden zum Absprung brachte. Der Konzern bemüht sich seither, einen Ausstieg aus Russland zu finden.
Auf der ukrainischen Liste der «International Sponsors of War» landeten ferner die Hersteller Unilever, Procter & Gamble, Yves Rocher und Bonduelle sowie die Handels-Konzerne Metro und Auchan.
Die Lebensmittelhersteller können sich darauf berufen, eine gewisse Versorgung der unbeteiligten Bevölkerung in Russland zu bieten – was ein legitimes Anliegen ist. Deshalb zögerte auch Nestlé, nachdem der Krieg im Februar 2022 ausgebrochen war, mit dem Ausstieg aus Russland; der Konzern reduzierte dann im März 2022 das Russlandgeschäft auf einige wesentliche Produkte wie Grundnahrungsmittel und medizinische Tiernahrung – und machte deshalb einen Abschreiber von satten 70 Millionen Franken.
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