Nochmals 220 Millionen für einen Food-Lieferdienst

Richtig gelesen: Diverse Investoren setzen massiv auf die Rohlik Group. Was eine Art Farmy mit internationalen Ambitionen ist.

17.06.2022
image
Kleingeld von Delivery Hero: Gründer Tomáš Čupr im Rohlik-Fulfilment-Center in Prag   |   Screenshot aus einem Firmenfilm von EY
Man kann das in der heutigen Zeit natürlich sehr positiv sehen: Inmitten einer trüben Stimmung an den Finanzmärkten fliesst hier viel Geld in den E-Commerce. Und zwischen Börsencrash, Inflationsängsten, Zinssorgen und Lieferengpässen setzen grosse Player immer noch gewaltige Summen auf die Zukunft des Detailhandels.
Dies jedenfalls zeigt die Meldung vom Freitag, dass die Rohlik Group in einer neuen Finanzierungsrunde 220 Millionen Euro aufnehmen konnte. Angeführt wurde das Engagement beim tschechischen Gross-Startup von Sofina (einer börsenkotierten Investmentgesellschaft aus Brüssel) sowie von Index Ventures (einer Risikokapital-Firma mit Sitz in San Francisco).

Ein Einhorn mehr

Eine Folge: Rohlik, gegründet 2015 in Prag, wird nun mit mehr als einer Milliarde Euro beziehungsweise Franken bewertet. Ein Einhorn mehr.
«Die Mittel dienen dazu, technische Neuerungen zu beschleunigen, darunter die Automatisierung von Logistik-Zentren und die Elektromobilität – sowie für die weitere Expansion in bestehenden Märkten», erklärt Tomáš Čupr, der Gründer des Unternehmens mit Sitz in Prag.

Von Ost nach West

Rohlik? Der Name bedeutet Gipfeli. Die Firma hatte bereits im letzten Jahr 190 Millionen an frischem Wagniskapital erhalten. Sie ist ein klassischer Quick-Commerce-Player, der vor allem darum kämpft, durch hohes Liefertempo die Konkurrenz zu bedrängen. Rohlik beansprucht für sich, 85 Prozent ihrer Aufträge innert 90 Minuten auszuführen.
Bemerkenswert ist obendrein, dass hier erstens ein Food-Delivery-Player entschlossen eine internationale Strategie verfolgt und dass er dabei – zweitens – von Ost-Mitteleuropa aus Richtung Westen vorstösst.

Tomáš Čupr, der heute 39jährige Gründer, hatte 2012 in seiner Heimat ein Food-Liefer-Startup namens Damejidlo gestartet, das er zwei Jahre später an Delivery Hero verkaufen konnte.

Gurkerl und Knuspr

Umgehend legte er mit Rohlik neu los. Erst expandierte er in Prag, dann startete Rohlik eine Plattform in Budapest, dann in Wien (unter dem Namen Gurkerl.at), und im Sommer 2021 folgte der Start in München sowie Frankfurt, diesmal unter dem Namen Knuspr. Als nächstes sind Bukarest, Mailand und Madrid an der Reihe.
Laut eigenen Angaben belieferte Rohlik letztes Jahr über 1 Million Kunden und erreichte einen Umsatz von 500 Millionen Euro – wobei der tschechische Heimmarkt die dominierende Basis bildet.
Zum Charakter von Rohlik gehört (neben dem Tempo) eine Konzentration auf wirklich grosse Ballungsräume – und andererseits das Versprechen, dass die Kunden mit landwirtschaftlichen Produkten aus der Nähe beliefert werden.
«Eat well, live well», so das Konzernmotto; in Deutschland präsentiert sich Knuspr als «Supermarkt & Hofladen auf einen Klick».
Insofern könnte man auch sagen: Rohlik, Gipferl und Knuspr – das bedeutet in der Schweiz am ehesten Farmy.
  • food
  • e-commerce
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
1 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Auch interessant

image

Galaxus plant Logistik-Hub in Süddeutschland

Die Ausbau-Möglichkeiten in der Schweiz scheinen langsam zu eng für das Online-Warenhaus.

image

Ramseier Suisse konnte Verkaufsmenge steigern

Der Umsatz des Getränkeproduzenten stieg letztes Jahr um 4 Prozent. Ein grosses Thema für 2024: weniger Zucker.

image

Ein saurer Tropfen für die grossen Wein-Länder

Volle Lagerbestände, kantige Kunden, ein Trend zu billigeren Angeboten: Der Export von Weinen war letztes Jahr eine herbe Sache.

image

Pistor investierte 34 Millionen in Logistik-Ausbau

Das Grosshandels-Unternehmen muss stetig wachsende Bestellmengen bewältigen. Letztes Jahr lieferte es rund 119'000 Tonnen aus.

image

Barry Callebaut streicht etwa 2500 Stellen

In den nächsten Monaten will der neue CEO Peter Feld entschlossen für weniger Doppelspurigkeiten und mehr Standardisierung sorgen.

image

Ricola Schweiz: Daniela Ruoss folgt auf Toni Humbel

Die neue Geschäftsführerin kommt von Mars zum Kräuterbonbon-Spezialisten.