So beschleunigt Künstliche Intelligenz die Produkt-Entwicklung

Am Beispiel eines Proteins zeigt sich: Neue Ingredienzen lassen sich dank KI statt in fünf in anderthalb Jahren bis zur Marktreife entwickeln.

4.07.2023
letzte Aktualisierung: 1.09.2023
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Das neuartige fetthaltige Protein «OleoPro» von Shiru | Bild: PD Shiru
In der Produkteentwicklung kann Künstliche Intelligenz (KI) wie ein Turbo im Automotor wirken. Und sie wird bereits in allen Laboren der Konsumgüterindustrie eingesetzt, wie Konsider kürzlich beschrieben hat.
Ein besonders eindrückliches Beispiel stellt die Erfindung des fetthaltigen Proteins OleoPro durch den kalifornischen Entwickler Shiru dar. Dieser setzt seit seit seinem Start 2019 konsequent auf KI als Beschleunigungsmittel für die Kreation neuer Proteine und funktionaler Inhaltsstoffe für die Lebensmittelindustrie. Das von der Biotechnologin Jasmin Hume gegründete Unternehmen konnte so für den Lebensmittelkonzern Griffith Foods ein neues Protein innerhalb von 18 Monaten zur Marktreife bringen, das einen besonders niedrigen Anteil an «ungesunden» gesättigten Fettsäuren enthält.

10'000 Formeln in drei Monaten

Dank dem «Turbo» KI habe Shiru die Entwicklungsdauer von OleoPro bis zum Einsatz in Lebensmitteln laut einer Mitteilung der Firma von fünf auf eineinhalb Jahre senken können. Dabei habe Software durch maschinelles Lernen und KI 10'000 mögliche Formeln für Ingredienzen in weniger als drei Monaten durchforstet. Darauf konnten die Biochemiker von Shiru die genauen Moleküle festlegen, die es für die Herstellung des neuartigen Protein-Fett-Ingredienz benötigen würde.
Der Zeitrahmen für solche Entdeckungen könnte sogar noch weiter verkürzt werden. Dies weil in den acht Wochen, in denen die KI im Hintergrund werkelt und neue Produkteformulierungen ausdenkt, nicht nur eines, sondern bis zu einem halben Dutzend Pilotprodukte gefertigt werden.
«So kommen wir innerhalb von acht Wochen von völlig digitalen zu nicht nur einer, sondern mehreren in Pilotproduktion hergestellten Zutaten, die funktionieren können», erklärt Jasmin Hume gegenüber dem Fachportal «The Spoon».
Wie lange es danach bis zur jeweiligen Markteinführung benötigt, hängt unter anderem auch davon ab, wie sehr der Auftraggeber – im Falle von OleoPro also Griffith Foods – in den Entwicklungsprozess involviert ist. Der Food-Hersteller aus Illinois etwa hat dazu das Vehikel Nourish Venture aufgebaut, das neben der Kooperation mit dem Startup Shiru unter anderem auch die Produktion von Fischfleisch aus Zellen in Aquakultur oder von Getreideflocken aus Biertreber fördert.

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