USA: Industrie bekämpft neue Richtlinien für «healthy» Food

Die US-Lebensmittelbehörde will die Verwendung der Bezeichnung stark einschränken. Industrievertreter sagen, das widerspreche der Verfassung.

14.03.2023
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Darf sich der Healthy-Choice-Bowl in Zukunft noch so nennen? | Bild: PD Healthy Choice
Die amerikanische Foodbranche wehrt sich gegen eine Verschärfung bei der Verwendung des Claims «healthy» für Lebensmittel. Die zuständige Behörde Food and Drug Administration (FDA) hat dazu kürzlich neue Regeln vorgestellt, die sie rechtlich verankern möchte.
Dagegen läuft die Industrie Sturm, wie die «Washington Post» berichtet. Einige Unternehmen behaupten gar, der Vorschlag würde im Falle einer Verabschiedung die Rechte der Lebensmittelunternehmen nach dem ersten Verfassungszusatz verletzen und könnte sowohl den Konsumenten als auch den Herstellern schaden.

Produkte müssen Obst oder Gemüse enthalten

Letztere dürften gemäss der Vorlage ihre Produkte nur noch als «gesund» bezeichnen, wenn sie eine «sinnvolle Menge an Lebensmitteln aus mindestens einer der Hauptnahrungsgruppen wie Obst, Gemüse oder Milchprodukte enthalten», wie es in den staatlichen Ernährungsrichtlinien empfohlen wird. Ausserdem müssten sie Grenzwerte für bestimmte Nährstoffe wie gesättigte Fette, Natrium und Zuckerzusatz einhalten.
Deshalb klagt zum Beispiel der Konzern Conagra Brands, seine sehr erfolgreiche Linie von gesundheitsbetonten Fertigmahlzeiten «Healthy Choice» nicht mehr unter diesem Namen weiterführen zu können, sollte der Vorschlag zum Gesetz werden.
In den USA gehen jährlich 200 Millionen Fertiggerichte von «Healthy Choice» über den Ladentisch. Sollten die Regeln verschärft werden, könnte Conagra sich entschliessen, seine Anstrengungen auf andere – ungesündere – Food-Produkte zu fokussieren, so die unverhohlene Drohung.

Nestlés Sorge um Nahrungsergänzung

Auch der Schweizer Konzern Nestlé hält den aktuellen Vorschlag der FDA laut seinem Feedback für «zu weit gefasst» und wünscht sich Präzisierungen. Insbesondere fürchtet Nestlé Auswirkungen auf die umsatzstarken Nahrungsergänzungsmittel des Konzerns: «Nach der von der FDA vorgeschlagenen Aktualisierung der Anforderungen an den ‹gesunden› Nährstoffgehalt werden nur sehr wenige Nahrungsergänzungsmittel» für den Claim «healthy» in Frage kommen – «wenn überhaupt».
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Nahrungsergänzungsmittel von Nestlé: Dürften nicht mehr als «gesund» beworben werden | Bild: PD Nestlé
Die Branche argumentiert dabei auch mit der Vorstellung, dass Konsumenten in Zukunft weniger «gesunde» Lebensmittel kaufen könnten, wenn das entsprechende bisherige Sortiment nicht mehr das «Gesund»-Label tragen könnten. Dem widerspricht die FDA aber im Bericht.
So schätzt die Behörde den Anteil der Konsumenten, die sich vom «Gesund»-Etikett positiv beeinflussen lassen, aufgrund von Studien auf gerade mal 0 bis 0,4 Prozent. Eine aktuelle Untersuchung zeige, dass Supermarktkunden viel eher auf Gesundheitsampeln wie den europäischen NutriScore achten würden als auf aufgedruckte Adjektive, schreibt die «Washington Post».

Käsebranche gibt FDA recht

Unterstützung für die strengere Handhabung der Gesundheitsbehauptungen erhält die FDA überraschenderweise von der American Cheese Society. Der Branchenverband kommentiert, das Wort «gesund» auf einem Etikett sei nicht sehr hilfreich und solle «eher in einem vollständigen Ernährungs- oder Lebensstilkontext verwendet werden als in einem auf Nährstoffe oder einzelne Lebensmittel fokussierten Zusammenhang».
«Was wir essen, wie und wann wir essen, sogar mit wem wir essen, und unser Lebensstil beeinflussen, was für eine Gruppe oder einen Einzelnen gesund ist. Gesund ist ein Lebensstil, der Bewegung, geistiges Wohlbefinden und andere Aspekte jenseits der Ernährung einschliesst», schreibt der Verein in seinem Kommentar an die FDA.
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