Weshalb Mondelez gewisse Guetzli nicht liefern kann

Der Salmonellen-Vorfall bei Barry Callebaut zieht immer noch Kreise. Er wird zum Musterfall für diverse Lieferketten-Probleme.

2.09.2022
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Gemacht in Frankreich – mit Schokolade aus Belgien: Mikado-Stick von Mondelez   |   PD
In Belgien und Frankreich gehen die Mikado- und Petit-Ecolier-Kekse aus. Ihre Plätze im Regal stehen in vielen Supermärkten bereits leer. Auch Pim's und Granola werden knapp.
Die bekannten Markenprodukte gehören zu Mondelez International. Und der amerikanische Süss- und Backwaren-Konzern bezieht die Schokolade dafür von Barry Callebaut.
Der Schweizer Basiszulieferer wiederum – Weltmarktführer in diesem Feld – hatte bekanntlich im Frühsommer ein Salmonellen-Problem. In seiner Fabrik in Wieze, Belgien, war eine Charge von den Krankheitserregern befallen.

30 Lastwagenladungen

Zwar wurde die Problemzone rasch entdeckt. Auch gelangten keine kontaminierten Süssigkeiten zu den Endkunden. Dennoch musste Barry Callebaut zur Sicherheit rund 30 Lastwagenladungen mit Schokolade vernichten.
Und schon damals mussten mehrere Kunden – etwa der Brüsseler Pralinenfabrikant Neuhaus – wegen des Vorfalls die eigene Produktion unterbrechen.
Immerhin: Nach knapp vier Wochen schien der Fall gelöst, die Fabrik umfassend gereinigt und geprüft. So dass Barry Callebaut melden konnte, man fahre die Produktion in Wieze Anfang August wieder hoch.

Türen zu in der Gironde

Doch das Beispiel von Mondelez zeigt: Das Problem wirkt bis heute nach.
Denn erstens konnte Barry Callebaut die Herstellung von Schokolade in der exakt passenden Qualität noch nicht vollends hochfahren. Zweitens startete Mondelez zur Sicherheit eigene Reinigungs-Arbeiten. Und so ist das Werk in Cestas bei Bordeaux – das gleich nach dem Salmonellen-Vorfall in Belgien abgestellt worden war – bis heute stillgelegt.
Die sichtbar klaffenden Lücken in den Guetzli-Regalen wurden inzwischen von der französischen und belgischen Presse aufgegriffen (etwa hier, hier).
In der Folge bestätigte Mondelez am Donnerstag die Lücken per Communiqué – wobei die Amerikaner betonten, dass niemals eigene Produkte von Salmonellen betroffen gewesen seien. Doch man spüre immer noch, dass Produktionslinien beim Lieferanten fehlen.

Normalität im November

Tatsächlich gestand Barry Callebaut gegenüber dem belgischen Fachportal «Retail Detail» ein, dass heute – zehn Wochen nach dem Vorfall – erst ein kleiner Teil der 24 Produktionslinien wieder funktionieren. Und dass die Lieferverzögerungen noch eine Weile anhalten dürften.
Ähnlich vorsichtig die Prognose von Mondelez: Man plane einen Neustart der Produktion «in den kommenden Wochen». Die Chefin von Mondelez France, Amélie Vidal-Simi, konkretisierte das in einem Interview: Sie hoffe, dass bis Mitte November wieder Normalität herrscht.

Wettrennen um Weihnachten

Der Vorfall von Wieze zeigt nicht nur, wie schnell Lieferketten reissen können, sondern wie nachhaltig die Konsequenzen jeweils sind.
Ein Beispiel: Der niederländische Hersteller Tony's Chocolonely musste bereits Anfang August warnen, dass ein Teil der Weihnachtsangebote dieses Jahr ausfallen dürften. Seine «Christmas Letters» hätten plangemäss im August und September in Wieze von Band laufen sollen.
Andererseits fehlte Tony's Chocolonely die Zeit, um eine Alternative zu finden. Oder genauer: eine Alternative zu finden, bei der die gesamten Lieferketten ihrerseits wieder sicher sind. Zum Beispiel sicher davor, dass irgendwo Kinder- oder Sklavenarbeit für die Kakaogewinnung eingesetzt wurde.
Ähnliches berichtet Tom Snick, der CEO der belgischen Schokoladenfirma Guylian: Er werde bestenfalls im Oktober wieder die volle Kapazität erreichen, sagte er zu «Just Food».
Auf die Frage, ob er denn nicht andere Lieferanten finden könne, meinte Snick: «Es gibt keine Alternativen. Alle suchen dasselbe.»
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