Zucker: Die «Erklärung von Mailand» ist absurd

Der Bund drängt die Industrie, weniger Zucker zu verwenden – den derselbe Bund mit Millionensummen fördert.

15.02.2023
image
Symbolbild: Wouter Supardi Salari on Unsplash von: on Unsplash
Sie haben es wohl gehört: Gestern unterschrieben zehn weitere Schweizer Unternehmen die «Erklärung von Mailand» – gemeinsam mit Gesundheitsminister und Bundespräsident Alain Berset.
Damit verpflichten sich inzwischen 24 Lebensmittel-Hersteller und Detailhändler, den Zuckergehalt von Getränken, Milchprodukten oder Cerealien bis Ende 2024 massiv zu senken.
Die Liste reicht von den Adelbodner Mineralquellen über Coop, Migros und Nestlé Schweiz bis hin zu Wander.
So weit, so gut: Es ist zweifellos ein wichtiger Schritt für die Volksgesundheit, wenn routinemässig weniger Zucker im Müesli oder im Ice Tea landet. Und wenn wir an die entsprechenden Geschmäcker gewöhnt werden.

Lobby-Doppelspiel

Doch weil wir bei Konsider gern das grosse Ganze zeigen, bringen wir eine Zahl dazu: 70 Millionen Franken. So viel bezahlt derselbe Bund, der die «Erklärung von Mailand» vorantreibt, für die Subventionierung der Zuckerrübe – pro Jahr. Kein anderes pflanzliches Produkt wird mit dermassen viel Steuergeld gepusht.
So haben wir es hier mit einem weiteren Musterfall des Lobby-Doppelspiels zu tun: Der Staat bekämpft mit der einen Hand, was er mit der anderen Hand hätschelt. Gerade an der Schnittstelle von Lebensmittel- und Agrar-Industrie gibt es schön-groteske Beispiele – siehe Alkohol, Fette und Tabak.
Der Think Tank «Avenir Suisse» eruierte unlängst Zahlen dazu und forderte die Streichung all der «ungesunden» Lebensmittel-Subventionen: weg damit. «Die Auswirkungen auf die Preise und auf die öffentliche Gesundheit wären vergleichbar. Das Regulierungsdickicht des Agrarsektors könnte etwas gelichtet, die öffentlichen Finanzen entlastet und das Wohlergehen der Konsumentinnen und Konsumenten verbessert werden.»

Vorteil Schweiz

Das heisst aber auch: Die klientel-getriebene Landwirtschaftspolitik ist das Problem – nicht die Erklärung von Mailand, nicht die dort engagierten Nahrungsmittelfirmen.
Denn im besten Fall profitiert die Schweiz sogar wirtschaftlich von dieser Zuckerbrot-und-Peitsche-Politik. Falls sich die helvetische Lebensmittel-Branche wirklich geballt bemüht, ihren Zuckereinsatz bis 2024 massiv zu senken, dann löst dies unweigerlich einen Forschungs-Schub aus.
Und dieser Schub könnte der Branche wichtige Vorteile verschaffen im globalen Konkurrenzkampf um gesunde Ernährung.
  • food
  • esg
  • landwirtschaft
  • süsswaren
  • getränke
  • dairy
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
1 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Auch interessant

image

Nestlé: Preiserhöhungen sind auch nicht die Lösung

Der Nahrungsmittelkonzern steigerte den Umsatz im letzten Jahr um gut 7 Prozent.

image

Nestlé: Neuer Chef für Maggi, Thomy und Garden Gourmet

Die Kulinarik-Kategorie des Konzerns bekommt einen gemeinsamen Geschäftsführer für die Schweiz, Österreich und Deutschland.

image

Spar Schweiz: Holpriger Start ins neue Jahr

Der Umsatz der Handels-Kette lag in den vergangenen Wochen spürbar tiefer als im Vorjahr.

image

SV Group: Zwei Rochaden an der Spitze

Swiss-CFO-Markus Binkert übernimmt im Herbst das Steuer der Gastro- und Hotelmanagement-Gruppe.

image

Lidl steigert Lohnsumme leicht über der Inflation

Dabei steigen die Mindestlöhne um 50 Franken pro Monat. Die Arbeitnehmer-Organisationen äussern sich zufrieden.

image

Landi spürte den nassen Frühling und den milden Herbst

Die Genossenschaftsgruppe meldet für 2023 – wie schon im Vorjahr – einen Umsatzrückgang.