Bericht: Manor soll verkauft werden

Die MF Group plane, die Warenhäuser abzustossen und sich auf das Immobiliengeschäft und die Modemarken zu fokussieren. Die Maus-Spitze dementiert intern.

Von, 20.01.2023
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Kürzlich umgebaut: Manor-Filiale in Lausanne | Bild: PD Manor
Die Manor-Warenhäuser sollen verkauft werden. Deren Besitzerin Maus Frères (MF Group) wolle sich auf den vorhandenen Immobilienbesitz und den Handel mit ihren Modemarken Lacoste, Gant, Aigle, Tecnifibre und The Kooples fokussieren.
Das schreibt heute die «Handelszeitung». Sie stützt sich dabei auf fünf Quellen, die anonym bleiben möchten. Bereits nächste Woche könnte das Verkaufsbegehren von der MF Group öffentlich gemacht werden, so ein Informant. Als Käufer – so spekuliert das Blatt – könnte Coop mit seinen Coop-City-Kaufhäusern in Frage kommen.
«Manor steht schon länger zum Verkauf», wird ein Schweizer Retail-Kenner zitiert, «das Dossier lag vor der Pandemie schon einmal auf und kursiert seit einigen Monaten wieder.»
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Manor-Filiale in Solothurn | Bild: PD Manor
Zur Warenhaus-Gruppe, 1902 gegründet, gehören heute noch 59 Geschäfte; hinzu kommen zwei Dutzend Manora-Restaurants. Der Umsatz wird auf knapp 2 Milliarden Franken geschätzt.
Allerdings: Im Intranet von Manor spricht CEO Jérôme Gilg von einer «Falschmeldung». Der «Blick» zitiert aus dem Memo: «Manor steht nicht zum Verkauf. Manor ist bei Maus Frères in guten Händen.» Und MF-Konzernchef Thierry Guibert wird zitiert mit dem Satz: «Manor als führendes Warenhaus der Schweiz steht im Zentrum unserer Schweizer Strategie und ist ein integraler Bestandteil unserer Unternehmensgruppe.» Es gebe keine Pläne, Manor zu verkaufen.

Immobilien bleiben lukrativ

Laut den HZ-Quellen wäre die betriebswirtschaftliche Logik, dass sich die Manor-Besitzerin zwar vom Warenhaus-Geschäft trennt, nicht aber von den Immobilien an bester Lage. Denn damit lässt sich auch heute noch gutes Geld verdienen – indem man die Ladenflächen vermietet und nicht selbst betreibt.
Von einer mausinternen Schieflage berichtete am Freitag auch die «Aargauer Zeitung»: Die Konzernspitze um Thierry Guibert – der vor seiner Position als MF-CEO zuletzt Lacoste-Chef war – wolle sich auf die Mode- und Luxusmarken des Hauses konzentrieren, etwa auf Lacoste, The Kooples und Gant. Hier werde investiert. Derweil herrsche in den Manor-Warenhäusern Sparflamme und Personalabbau.
Ein Hinweis dabei: In einem Interview mit dem «Wall Street Journal» verkündete Guibert, dass er weitere Marken mit einem Umsatz von mindestens 500 Millionen dazukaufen will – aus der Modewelt, aber auch in Bereichen wie «Hospitality» und «Experience». Von Manor war überhaupt keine Rede.

11 Prozent Wachstum 2022

Soeben auch verriet Thierry Guibert in einem Interview mit dem «Fashion Network», dass die MF-Gruppe im letzten Jahr um 11 Prozent gewachsen sei – inklusive dem Schweizer Teil (also den Manor-Warenhäusern). MF Brands selber (also die fünf Modemarken ohne Manor) sei dabei um fast 20 Prozent gewachsen. Womit sich in etwa erahnen lässt, wie sehr das alte Schweizer Handelsgeschäft als Bremse wirkt.
«Wir haben echte Investitionskapazitäten», sagte der Maus-Frères-CEO weiter. «Wir schauen uns Vermögenswerte an, die Premium sind oder die Fähigkeit haben, Premium zu werden. Ich habe das Glück, Familienaktionäre zu haben. Wir haben Zeit und würden niemals aus Eile heraus zu viel für ein Unternehmen bezahlen. Aber ich würde lügen, wenn ich Ihnen sagen würde, dass wir nicht enttäuscht wären, wenn wir in den nächsten 18 Monaten nicht einen weiteren Vermögenswert in das Portfolio aufnehmen würden.»
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