Berichte: Migros gerät an Bio-Suisse-DV unter Beschuss

Der Detailhändler erhielt an der Delegiertenversammlung von Bio Suisse Schelte für die zögerliche Einführung des Knospen-Sortiments. Das reisse ein Loch in die Verbandskasse.

17.11.2022
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Mai 2022: Migros-Manager Rolf Bernhard und Matthias Wunderlin mit Bio-Suisse-Verantwortlichen Urs Brändli und Balz Strasser (v.l.n.r.) beim Start der Partnerschaft | Bild: PD Bio Suisse
An der Delegiertenversammlung von Bio Suisse war die Migros eines der Hauptgesprächsthemen. Erst vor sechs Monaten hatte sich der Detailhändler dem Verband mit der Bio-Knospe angeschlossen. Nun führte dessen zögerliche Einführung seines Sortimentes an Produkten mit der Knospen-Auszeichnung zu scharfen Diskussionen, wie die Landwirtschaftsmedien «Schweizer Bauer» und «Die Bauernzeitung».
Gemäss dem «Schweizer Bauer» nahmen Delegierte aus den Regionen Aargau, Ostschweiz und Waadt den neuen Partner Migros in die Mangel. Diese verzögere die Umsetzung der Bioknospe auf ihren Produkten aus taktischen Gründen und verursache Mehrkosten und Mindereinnahmen gegenüber dem Budget, so dass sogar bei den Mitgliedorganisationen gespart werden müsse.
Der Verband selber schreibt in seinem Communiqué zur DV, er blicke trotz stabiler Nachfrage für Bio-Lebensmittel «einem finanziell schwierigen Jahr» entgegen: «Hauptgrund dafür ist der verzögerte Markteintritt von Migros mit der Bio Suisse Knospe. Die erwarteten Lizenzeinnahmen fliessen folglich auch später. Weil gleichzeitig für die Lizenzierung der Produkte auf der Geschäftsstelle schon Aufwand entsteht, steigen die Ausgaben.»

Schleppende Einführung

Die Migros habe aktuell nur einige Produkte mit der Knospe im Laden, zitiert die «Bauernzeitung» den Delegierten der Waadt, Frank Siffert. Dies sei genau das, was man eben bei Aldi und Lidl nicht wollte – weshalb man diesen Detailhändlern die Knospe verwehrt habe.
Bio-Suisse-Geschäftsführer Balz Strasser und -Präsident Urs Brändli nahmen das neue Schwergewicht unter den Mitgliedern in Schutz: Bei der Migros sei der Aufwand bei der Umstellung des Sortiments unterschätzt worden. Vor allem die Betriebe der Migros-Industrie verursachten einen hohen Mehraufwand auf Seiten Bio Suisse.

M-Industrie wünscht Ausnahmen

Die Tochterunternehmen würden aus Unkenntnis oder in Absicht Ausnahmen wünschen, die Bio Suisse dann ablehnen muss – «in einem Hin und Her».
Brändli wird mit der Aussage zitiert, «die Migros stelle drum auf die Knospe um, weil sie gemerkt habe, dass ihre Marke Bio Migros nicht genügend gut positioniert sei am Markt».
Dennoch verteidigten die beiden Bio-Suisse-Spitzen die Migros: Sie sei eine «gute Partnerin. Bald würde ein Spitzengespräch anstehen – «da werde man die entstandenen Mehrkosten hinlegen und fragen, ob Migros etwas tun könne», so die Zeitung in ihrem Bericht.

Migros: «Gutes, partnerschaftliches Verhältnis»

Die Medienstelle des Migros Genossenschaft Bundes betont gegenüber Konsider: «Die Migros und Bio Suisse pflegen ein gutes, partnerschaftliches Verhältnis.» Das hätten an der Delegiertenversammlung sowohl der Vorstand, als auch die Geschäftsleitung von Bio Suisse betont.
Die am Anlass kritisierten Verzögerungen «hatten einerseits mit der Klärung von Vertragsdetails zu tun, was von einer seriösen, sorgfältigen Bearbeitung zeugt». Andererseits hätte sich die operative Umsetzung als herausfordernd entpuppt.
«Die Migros hat schon früh die potenzielle Verzögerung erkannt und dies dementsprechend Bio Suisse kommuniziert.» Um die verzögerten Einnahmen abzufedern, habe die Migros damals zudem proaktiv angeboten, Bio Suisse einen Vorschuss zu leisten.

Bio Suisse nimmt Stellung zu neuen Gentechniken

Die neuen Gentechniken seien im Rahmen des Gentechnik-Gesetzes zu behandeln. So beschreibt der Verband in einem Communiqué den Stand der internen Diskussion an der Delegiertenversammlung. Bis im Frühling will Bio Suisse hierzu einen Entscheid fällen.
Fachleute aus der Schweizer Bio-Branche hätten Vor- und Nachteile der neuen Gentechniken intensiv diskutiert. Aus deren Sicht sei der Fall klar: «Auch die neuen Techniken sind ein Eingriff in die Zelle und damit nicht mit den Prinzipien des Biolandbaus vereinbar.»
Die Forderungen seien klar: Gentechnik sei weiterhin strikt zu regulieren, und auch Crispr-Cas sowie andere neue Methoden gehörten ins Gentechnik-Gesetz. Gleichzeitig müsse «die Bio-Züchtung stärker gefördert werden».

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