Jetzt offiziell: Dufry und Autogrill fusionieren

Der neue Travel-Retail-Riese wird etwa 60'000 Personen beschäftigen.

11.07.2022
image
Auch das wird von Autogrill betrieben: Terrasse des «Aperol»-Bistro auf der Piazza del Duomo, Mailand  |  Bild: PD Autogrill.
  • food
  • handel
Die Gerüchte gab es schon seit April. Danach zogen sie immer wieder durch die Börsen und brachten Unruhe in die Aktienkurse. Jetzt kommt die Bestätigung: Der italienische Autobahn- und Restaurant-Betreiber Autogrill fusioniert mit der schweizerischen Dufry Group.
Zusammengefasst bedeutet das: Rund 5'500 Verkaufsstellen an etwa 1'200 Flughäfen und anderen Standorten; 13,6 Milliarden Franken Umsatz; ein Ebitda von 1,4 Milliarden Franken. Geleitet wird der neue Konzern vom bisherigen Dufry-CEO Xavier Rossinyol; er ist seit Februar 2022 an der Spitze von Dufry und war zuvor sieben Jahre lang CEO des Airline-Caterers Gategroup. Dufry-Präsident Juan Carlos Torres wird Präsident, Autogrill-Chairman Paolo Roverato ist als Vizepräsident vorgesehen.
«Wir verwandeln unsere Branche und definieren ihre Grenzen neu, und wir werden eine neue Corporate Identity schaffen, um diesen grundlegenden Schritt zu spiegeln», lässt sich Rossinyol zitieren. «Durch die Nutzung dieser einzigartigen Gelegenheit werden wir das Wachstum beschleunigen, indem wir uns voll und ganz auf die Konsumenten und die digitale Revolution konzentrieren; und indem wir Vermietern wie Flughafenpartnern mit einem erweiterten Serviceportfolio einen Mehrwert bieten.»
image
Verteilung der Umsätze des kombinierten Konzerns | RoW = Rest of the World  |   Quelle: Dufry
Beide Unternehmen litten in den letzten Jahren schwer unter den Covid-Restriktionen, also insbesondere unter den Problemen des Tourismus.
Autogrill ist einerseits bekannt für seine Autobahn-Gaststätten in Italien, daneben führt es diverse Catering-Firmen sowie Systemgastronomie- und Lizenzrestaurants; und es ist ebenfalls beteiligt an Gesellschaften, welche Duty-Free-Shops betreiben.
Insgesamt umfasst das Portfolio des lombardischen Konzerns über 4'300 Standorte, worin knapp 35'000 Personen beschäftigt sind. Eine knappe Mehrheit von 50,3 Prozent gehörte bislang Edizione, der Holding der Familie Benetton. Der Rest befand sich in Streubesitz.

1 + 1 = mehr Rentabilität?

Autogrill erzielte im letzten Jahr 2,8 Milliarden Euro Umsatz, der Gewinn betrug 92 Millionen Euro. Die Rentabilität ist also tief – und das verbindet den Konzern mit Dufry: Der Reise-Detailhändler aus Basel erzielte letztes Jahr 3,9 Milliarden Umsatz und fuhr einen Verlust von 385 Millionen Franken ein.
Dufry ist insbesondere bekannt für seine rund 2'300 Duty-Free- und anderen Shops, die es in Airports, aber auch in Häfen, auf Fähren, an Bahnhöfen oder Grenzübergängen betreibt. Es ist in rund 65 Ländern aktiv, die Zahl der Mitarbeiter liegt bei 22'000.

Ehrenpräsident Benetton

Es ist unbestritten, dass sich durch die Fusion diverse Skalen- und Grösseneffekte ergeben. Auf der anderen Seite arbeiten Autogrill und Dufry nicht stark in überlappenden Märkten – so dass sie sich gut ergänzen.
image
Verteilung der Märkte: Rot = Standorte/Märkte von Autogrill; schwarz = Dufry.
Hauptaktionärin der neuen Gesellschaft wird Edizione. Sie wird am Ende 20 bis 25 Prozent an der neuen Gesellschaft besitzen, und Alessandro Benetton erhält auch das Amt eines Ehrenpräsidenten. Als weitere Grossaktionäre erscheinen die heutigen Hauptbesitzer von Dufry – die Private-Equity-Firma Advent International aus Boston (sie wird gut 10 Prozent halten), Alibaba (knapp 8 Prozent), die Qatar Holding (8 Prozent) sowie der Genfer Luxuskonzern Richemont (unter 5 Prozent).
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
1 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Auch interessant

image

Ikea eröffnet zweite Schweizer Mini-Filiale in Chur

Weniger gehen, mehr planen: Der Möbelriese sucht mit so genannten «Plan & Order Points» den direkteren Kontakt zur Kundschaft.

image

H&M schafft Gratis-Retouren testweise ab

Jetzt prüft auch der schwedische Textil-Riese, ob Onlinekunden bereit sind, Rücksendungen selber zu berappen. Und erhofft sich dadurch Einsparungen.

image

Aryzta: Urs Jordi bleibt bis 2024 Konzernchef

In den letzten zwei Jahren bewies sich Urs Jordi beim Backwaren-Konzern als Sanierer. Das hat Folgen.

image

Aryzta: Nach fünf Verlustjahren endlich wieder Gewinn

Wer wegen der Energiepreise mit einer Enttäuschung gerechnet hatte, wurde vom Gipfeli-Spezialisten aus Schlieren positiv überrascht.

image

Migros schafft Plastik-Einwegbesteck ab

Zwei Jahre nach Konkurrentin Coop gibt auch die Migros für den Sofortkonsum nur noch Besteck aus Holz und Bambus ab.

image

Inflation in der Schweiz rückläufig

Insbesondere bei den Lebensmitteln bleibt die Teuerung weiterhin in einem begrenzten Rahmen.