Gesichtserkennung boomt in England wegen Ladendiebstählen

Ladendiebstähle nehmen in Grossbritannien rasant zu. Die britische Regierung setzt deswegen verstärkt auf Kameras und künstliche Intelligenz zur Gesichtserkennung.

3.08.2023
image
Hinweis auf Gesichtserkennungstool in einem britischen Laden | Bild: Youtube / Facewatch (Screenshot)
35 Prozent mehr Ladendiebstähle in den Filialen der britischen Coop-Kette. 8 Millionen Fälle insgesamt seit Jahresbeginn im ganzen Vereinigten Königreich, begangen auch von organisierten Banden, wie der Retailer Waitrose berichtet. Eine Folge: Seit der Covid-Epidemie investierten britische Handelsunternehmen 800 Millionen Franken in Massnahmen zur Verbrechensbekämpfung.
Der britische Polizeiminister Chris Philp plant laut den Zeitungen «Observer» und «Times» derweil, Wiederholungstäter zwangsweise zu Haftstrafen zu verurteilen. Wer mindstens zehn Mal erwischt würde, käme nicht mehr ohne Gefängnis davon.
Zudem fordert Philp alle Polizeidienststellen auf, verstärkt Gesichtserkennungstechnologie und künstliche Intelligenz einzusetzen, um die Bilder bekannter Ladendiebe «live» mit dem nationalen Polizeicomputer abzugleichen. Die Detailhändler wiederum sollen nach einem Entscheid der Datenschutzbehörde Information Commissioner's Office (ICO) Gesichtserkennungstools des Unternehmens Facewatch einsetzen können.
image
Überwachungsbilder aus einem britischen Laden | Bild: PD Facewatch
Sie soll helfen, Ladendiebe zu identifizieren und der Justiz zuzuführen. Minister Philp habe sich, so die Medienberichte, dazu bereits im Frühling mit Facewatch abgesprochen.
Für 10 Pfund pro Tag verbindet Facewatch ein Live-Gesichtserkennungssystem mit Überwachungskameras in den Filialen, schreibt das Branchenmedium «Grocery Gazette». Dieses sei direkt mit einer Datenbank verknüpft, welche die Aufnahmen mit Bildern von bereits bekannten Ladendieben abgleicht.
Gegründet wurde das Unternehmen Facewatch, das mit künstlicher Intelligenz arbeitet, vom Gastronomen Simon Gordon – aus Frust über Taschendiebstähle in seinem Lokal, die von der Polizei nie behandelt wurden. Noch vor vier Jahren machte die Technologie negative Schlagzeilen. Befürchtet wurde eine chaotische Gesetzeslage bei deren Einführung und eine Durchlöcherung des Datenschutzes. Die starke Zunahme an Ladendiebstählen könnte den neuen digitalen Tools nun aber genug Schub verleihen, um die Gesichtserkennung in öffentlichen Räumen salonfähig zu machen.
  • handel
  • food
  • ai | ki
  • inflation
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
1 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Auch interessant

image

Nestlé: Eigene Marke für Wegovy-Nutzer

Die Produkte der Marke «Vital Pursuit» sollen den Kunden von Appetitzüglern zu wichtigen Nährstoffen verhelfen.

image

Auch Emmi versenkt den Nutri-Score

Erst kürzlich sollte das Ampelsystem noch per Gesetz durchgedrückt werden. Jetzt wirkt es zunehmend ungeniessbar.

image

Ricola meldet weiteren Umsatzrekord

Der Umsatz des Kräuterbonbon-Herstellers wuchs 2023 zweistellig. In den USA sei man nun Marktführer bei den Hustenbonbons.

image

Cremo: Nochmals Verlust, Turnaround spätestens 2026

Der Milchverarbeiter konnte den Umsatz letztes Jahr steigern – spürte aber auch den starken Franken.

image

Fenaco: Rückläufiger Umsatz, tiefere Margen

Der Agrarkonzern spürte 2023 sowohl Preis- als auch Kostendruck.

image

Lidl Schweiz: Neuer Immobilienchef

Tobias Eggli folgt als Chief Real Estate Officer auf Reto Ruch.