Scaloppine alla Frankenstein? Italien wehrt sich gegen In-Vitro-Fleisch

Landwirtschaftsverbände sehen im Laborfleisch eine «tödliche Bedrohung» für die Branche. Jetzt macht die Regierung gegen die EU-Zulassung mobil.

16.01.2023
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Prosciutto crudo aus dem Labor? Italien widersetzt sich | Bild von: on Unsplash
In Italien braut sich Widerstand gegen eine Zulassung von Laborfleisch in der EU zusammen. 400'000 Personen haben eine Petition unterschrieben, um gegen «ein grünes Licht aus Brüssel» für die Einführung des «synthetischen Fleisches» zu protestieren. Das schreibt die Wirtschaftszeitung «Il sole 24 ore».

«Frankenstein auf dem Teller»

Unter den Petitionären: Regierungschefin Giorgia Meloni und der Minister für Landwirtschaft und Ernährungssouveränität Francesco Lollobrigida.
Letzterer machte an einer Konferenz der Bauernlobby klar: «Wir werden uns in jeder Hinsicht dagegen wehren.» Der Titel des Treffens lautete: «Frankenstein auf dem Teller? Synthetische Lebensmittel – die neue Bedrohung».
Es wurde vom Verband Coldiretti organisiert, der die Direktvermarkter unter den Landwirten repräsentiert. Andere Bauernverbände haben sich der Kritik am In-vitro-Fleisch angeschlossen.

Gefahr für «Lebensweise und Zivilisation»

Diese sehen in dem «kultivierten» Fleisch eine direkte Bedrohung ihrer Existenzgrundlage. Minister Lollobrigida sieht darin sogar einen Angriff auf die italienische Kultur: «Synthetische Lebensmittel sind keine guten Lebensmittel. Ausserdem würde die Herstellung von Lebensmitteln in Labors unsere nachhaltige Wirtschaft, unsere Lebensweise und unsere Zivilisation zerstören.»
Die italienischen Gegner des Laborfleisches erwarten, dass die EU – wie im letzten Jahr bereits Singapur und die USA – 2023 erlauben könnten, erste Produkte dieser neuen Lebensmittelgattung in den Handel zu bringen.
Kritik an Wein mit Warnetiketten
Der italienische Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida spricht sich auch dagegen aus, Weinflaschen mit Gesundheitswarnungen zu versehen. Letzte Woche hat die EU den irischen Behördern erlaubt, Hinweise auf «alkoholbedingte Gefahren» anzubringen.
«Wir werden nicht nur Abwehrmassnahmen gegen die Aggression der Etikettenschwindel unterstützen», machte Minister Lollobrigida am letzten Wochenende klar, «sondern auch alle Werbemassnahmen ergreifen, um auf allen Ebenen die Vorteile der mediterranen Ernährung in ihrer ganzen Komplexität und der Produkte unseres Landes zu erklären.»
Selbst gegen Nutriscore-Ernährungs-Ampeln auf Weinflaschen will sich die italienische Regierung wehren. In der EU wird zurzeit darüber diskutiert, welche Lebensmittel eine solche Nährwertkennzeichnung aufweisen müssen.

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