Inflation: Schweizer Alltags-Teuerung bei fast 6 Prozent

Auch die offizielle Inflationsrate dürfte laut den Ökonomen von Wellershoff & Partners bald nochmals anziehen.

9.09.2022
image
Zahnpflege-Produkte: plus 10 Prozent  |  Bild von: Diana Polekhina on Unsplash
  • handel
  • inflation
  • konjunktur
Sind die Preise in den letzten zwölf Monaten wirklich nur um drei oder dreieinhalb Prozent gestiegen? Viele Menschen in der Schweiz empfinden das anders. Und auch die Ökonomen wissen, dass die offizielle Teuerung des Bundesamts für Statistik lediglich einen Preis-Ausschnitt zeigt.
Die Vermögensberatungs-Firma Wellershoff & Partners ging also der Frage nach, wie sich die Inflation der Güter des täglichen Einkaufs berechnen lässt. Ihr Resultat: Die Alltags-Teuerung beträgt momentan 5,9 Prozent.
Neben den bekannten Inflationstreibern Benzin und Diesel erreichten auch Kaffee, Zahnpflegemittel, Teigwaren oder Olivenöl satte Inflationsraten im Bereich von 10 Prozent. Eher preissenkend wirkten dagegen Kartoffeln, Bananen oder Süsswaren.
  • Wellershoff & Partners, «W&P Current Perspectives: Inflation der laufenden Ausgaben bei 5.9 Prozent», 8. September 2022.
Natürlich gibt es bei all diesen Berechnungen viele Unschärfen. Wellershoff & Partners orientierte sich an einem Warenkorb, den das statistische Amt von Österreich verwendet, und gewichtete dann die einzelnen Artikel entsprechend den helvetischen Einkaufsgewohnheiten. Nach dem österreichischen Massstab hätte die Alltagsteuerung sogar 8,6 Prozent erreicht.
Die Folgethese der Zürcher Ökonomen lautet: Wir werden in den kommenden Monaten auch mit einer höheren offiziellen Inflationsrate rechnen müssen.

Plus 5 Prozent Anfang 2023

Momentan hält sich die Teuerung der Bundesstatistiker noch in Grenzen, weil es in der Schweiz sehr viele administrierte Preise gibt: Strom, Gas, Mieten – da ist Vieles reguliert, also zäh.
«Die Folge davon sind verzögerte Effekte auf die jeweiligen Preisentwicklungen», schreiben die Analysten von Wellershoff & Partners.
Und deshalb wiederum sei absehbar, «dass in den kommenden Monaten die Schweizer Inflationsentwicklung weiter anziehen wird». Spätestens, wenn zu Anfang 2023 die volle Anpassung der Strom- und Gaspreise kommt, steigen auch Teuerungsraten nochmals.
Zusammen mit den Aussagen aus den Befragungen zur Konsumentenstimmung mutmasst das W&P-Team, dass die Inflation zu Jahresbeginn 2023 bei gut 5 Prozent liegen dürfte.
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
1 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Auch interessant

image

Manor schliesst Restaurant in Solothurn

Für 440 Quadratmeter im Warenhaus wird eine neue Nutzung gesucht.

image

«Betriebsruhe»: Weleda macht Werke tageweise dicht

Die Naturprodukte-Firma will 400 Angestellte in der Schweiz und 800 in Deutschland phasenweise in die Ferien schicken.

image

Neue Besitzer für Schuhkette Reno

Die Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sollen weitergeführt werden. Hierzulande sind die neuen Besitzer alte Bekannte.

image

Ikea eröffnet zweite Schweizer Mini-Filiale in Chur

Weniger gehen, mehr planen: Der Möbelriese sucht mit so genannten «Plan & Order Points» den direkteren Kontakt zur Kundschaft.

image

H&M schafft Gratis-Retouren testweise ab

Jetzt prüft auch der schwedische Textil-Riese, ob Onlinekunden bereit sind, Rücksendungen selber zu berappen. Und erhofft sich dadurch Einsparungen.

image

Migros schafft Plastik-Einwegbesteck ab

Zwei Jahre nach Konkurrentin Coop gibt auch die Migros für den Sofortkonsum nur noch Besteck aus Holz und Bambus ab.