Milchverarbeiter wird vollauf vegan

In den Niederlanden gibt einer der grössten Molkerei-Betriebe das alte Geschäft auf: Boermarke will nun den Markt für Vegan-Käse aufrollen – in ganz Europa.

27.09.2023
image
«Natuurlijk geniezen!»: Boermarke-Lastwagen vor dem Werk in Enschede  |  Bild: PD
Dass Milchverarbeitung ein schwieriges Geschäft ist – davon können auch diverse Schweizer Unternehmen ein Lied singen, gerade in jüngster Zeit. In den Niederlanden macht nun einer der grössten Player im Geschäft eine radikale Rochade: Der Molkereikonzern Boermarke, gegründet 1987, wird sich vollständig auf die Produktion von veganen Produkten konzentrieren.
«Nach mehr als drei Jahrzehnten Erfolg in der Milchindustrie wird sich Boermarke nun ganz auf die Produktion und Entwicklung von pflanzlichen Milchersatzprodukte konzentrieren, mit dem Ziel, diese Produkte innert drei Jahren in allen europäischen Supermärkten verfügbar zu machen», teilte das Unternehmen mit.

Mehr Nachfrage als Produktionskapazität

Konkret geschieht nun ein Spin-off: Die klassischen Molkereiaktivitäten von Boermarke werden an De Zuivelhoeve verkauft, einen anderen grossen Käse- und Milchdessert-Produzenten. Im Gegenzug wird das Boermarke-Sortiment schrittweise auf vegane Produkte umgestellt. Sie werden entweder unter der eigenen Marke Vairy oder als Handelsmarken abgesetzt.
image
Präsentation von Vairy-Alternativ-Gouda auf Instagram.
Im Hintergrund steht, dass Boermarke mit seinen Milchalternativen zuletzt ein rasantes Wachstum hinlegen konnte. Laut eigenen Angaben stieg der Verkauf von pflanzlichen Käseprodukten in den letzten drei Jahren um 800 Prozent. In den Niederlanden beliefert der Familienbetrieb 80 Prozent der Supermärkte, ferner sind seine pflanzlichen Lebensmittel in einem Teil des deutschen Marktes präsent.
«Wir haben bereits hundert Kunden, für die wir Eigenmarken herstellen, sowohl Käsehersteller als auch Supermarktketten», sagte Geschäftsleitungsmitglied Reynier Varvik gegenüber dem Wirtschaftsportal «De Ondernemer».
Die rasante Entwicklung sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass in Europa bloss drei Hersteller in der Lage sind, grosse Mengen pflanzlichen Käses zu produzieren – und einer davon ist Boermarke.

Personal dringend benötigt

Dass der Abschied von der Milchverarbeitung kein Abbau sein soll, sondern ein Aufbau – dies zeigt sich auch daran, dass Boermarke alle 180 Mitarbeiter behält; lediglich Markenrechte, Verträge und Anlagen wechseln zu De Zuivelhoeve. Denn man benötige alles Personal, um das erwartete 20-prozentige Wachstum im nächsten Jahr zu bewältigen, so die Firmenleitung.
Ein ähnlicher (allerdings etwas anders gelagerter) Fall ist die Rügenwalder Mühle in Deutschland. Ursprünglich ein klassischer Fleischverarbeiter, setzt der deutsche Familienbetrieb seit 2014 massiv auf Vegan- und Veggie-Alternativen. 2021 nahm er damit erstmals mehr ein als mit Fleischwaren: Von 263 Millionen Euro Konzernumsatz entfielen etwas mehr als 154 Millionen auf Veggie-Produkte. Dieses Geschäft wuchs in jenem Jahr um 35 Prozent; der Fleischabsatz sank hingegen um knapp 9 Prozent auf 109 Millionen Euro.

  • food
  • industrie
  • dairy
  • vegan
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
1 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Auch interessant

image

Nestlé: Eigene Marke für Wegovy-Nutzer

Die Produkte der Marke «Vital Pursuit» sollen den Kunden von Appetitzüglern zu wichtigen Nährstoffen verhelfen.

image

Auch Emmi versenkt den Nutri-Score

Erst kürzlich sollte das Ampelsystem noch per Gesetz durchgedrückt werden. Jetzt wirkt es zunehmend ungeniessbar.

image

Ricola meldet weiteren Umsatzrekord

Der Umsatz des Kräuterbonbon-Herstellers wuchs 2023 zweistellig. In den USA sei man nun Marktführer bei den Hustenbonbons.

image

Cremo: Nochmals Verlust, Turnaround spätestens 2026

Der Milchverarbeiter konnte den Umsatz letztes Jahr steigern – spürte aber auch den starken Franken.

image

Fenaco: Rückläufiger Umsatz, tiefere Margen

Der Agrarkonzern spürte 2023 sowohl Preis- als auch Kostendruck.

image

So will Nestlé nun mehr Kaffee verkaufen

Der Nescafé-Konzern lanciert ein Konzentrat: Es soll den Out-of-home-Trend zu Iced-Coffees nach Hause bringen.