Nestlé: Gesundheits-Initiative unter Beschuss von Aktionären

Die britische Investoren-Vereinigung ShareAction findet wenig Gutes am Plan des Konzerns, den Anteil «gesunder» Produkte deutlich zu steigern.

4.10.2023
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Nestlé-CEO Mark Schneider: Stossrichtung stimmt, aber es müsste mehr sein  |  Bild: PD Nestlé.
Die britische Aktionärsvereinigung ShareAction kritisiert die jüngste Nestlé-Ankündigung zur Vergrösserung des Umsatzanteils an «gesunden» Lebensmitteln als ungenügend. Das neue Ernährungsziel von Nestlé bleibe hinter den Erwartungen der Aktionäre zurück, hält die Investorengruppe in einer Mitteilung fest.
Mehr zu Nestlés Zielen
Zu den kritischen Aktionären gehören unter anderem der grösste britische Vermögensverwalter Legal and General Investment Management (LGIM) sowie das grösste betriebliche Altersversorgungssystem Nest. Sie monieren, dass das neue Ernährungsziel des Lebensmittelriesen nicht die Rolle erfülle, die sie «von ihm bei der Verbesserung der öffentlichen Gesundheit erwarten».
Die zwei Hauptkritikpunkte der britischen Aktionärsgruppe lauten:
1. Nestlé wolle den Umsatz mit proteinreicheren Produkten bis 2030 um 50 Prozent steigern. Dieses Ziel entspreche aber im Grossen und Ganzen Nestlés derzeitigen Wachstumsprognose von 4 bis 6 Prozent pro Jahr. Wenn der Umsatz mit ungesünderen Produkten in ähnlichem Masse steige, würden sich die Auswirkungen der von Nestlé verkauften Lebensmittel auf die Ernährung der Konsumenten sowie die öffentliche Gesundheit nicht verbessern.
2. Nestlé stufe in ihrem Plan einige Produkte als «nahrhaft» ein, die nicht mit britischen Nährwertprofilmodelle vereinbar seien, etwa Kaffee und «handelsübliche Babynahrung». Das bedeute, dass Nestlé sein Ziel erreichen könnte, «indem es mehr von diesen Lebensmitteln verkauft, ohne dass dies positive Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit hätte».

«Fehlerhaft»

Neben Kaffee und Babynahrung zählt der Konzern auch Spezialprodukte aus der Sparte Health Science – zum Beispiel Vitamin- und Mineralstoffpräparte sowie medizinische Ernährung – zum «gesunden» Portfolio in seinem Aktionsplan. Davon ausgenommen sind lediglich Säuglingsnahrung für Kinder von 0 bis 12 Monaten sowie das Tierbedarf-Portfolio, wie Konsider bereits berichtet hat.
Dieser «fehlerhafte Ansatz bei der Festlegung von Zielen» stelle in Frage, wie sehr sich Nestlé für gesündere Ergebnisse für die Gesellschaft und die Wirtschaft einsetze, wird Simon Rawson, bei ShareAction zuständig für Corporate Engagement, in der Mitteilung zitiert. «Wenn es Nestlé ernst damit ist, seinen Beitrag zu einer gesünderen Ernährung zu leisten, muss es sich Ziele setzen, um den Anteil der als gesünder eingestuften Lebensmittel zu erhöhen, indem es ein von der Regierung unterstütztes Modell zur Erstellung von Nährwertprofilen anwendet.»
Nestlé richtet sich bei den Zielen, die sich der Konzern in puncto «gesunde Produkte» an dem von der australischen Regierung initiierten Ratingsystem «Health Star Rating» aus. Das genügt den britischen Kritikern offenbar nicht.
Nestlé plant seine Ziele zuerst in Grossbritannien umzusetzen. Dort wird dem Schweizer Konzern seit geraumer Zeit von Gesundheitsökonomen und Konsumentenvertretern vorgeworfen, zu viele stark zucker- und fetthaltige Produkte anzubieten.
Hattip: «JustFood»

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