Plant based: Ist die Party schon vorbei?
Entlassungen, weniger Umsatz, geringere Investitionen: Die Hersteller von Fleisch- und Milchersatzprodukten Beyond Meat und Oatly stecken fest.
8.08.2022Burger ohne Fleisch: Rezeptbild von Beyond Meat | Bild: PD Beyond MeatOprah Winfrey, Natalie Portman und Jay-Z setzen auf Hafermilch von Oatly. Leonardo DiCaprio und Snoop Dogg stecken ihr Geld in die Eiweiss-Klopse von Beyond Meat. Sie alle müssen aber lange auf einen Gewinn aus ihren Investitionen warten.
Idealismus allein trägt keine Früchte, wie sich in den letzen Wochen anhand von Oatly und Beyond Meat gezeigt hat. Die beiden von Medien und prominenten Anlegern hoch gehandelten Unternehmen wiesen in den letzten Tagen erneut schlechte Geschäftszahlen aus.
Oatly verkauft mehr
Oatley, der schwedische Produzent von Milchersatzprodukten, legte im zweiten Quartal beim Umsatz zwar um 22 Prozent zu und erreichte 177 Millionen Dollar. Gleichzeitig erhöhte sich aber auch der Verlust auf 75 Millionen Dollar. Im gesamten letzten Jahr verlor Oatly satte 212 Millionen .
Beyond Meat, der kalifornische Produzent von fleischlosen Burgern und Schnitzeln, musste für die Periode von April bis Juni gar einen geringeren Umsatz ausweisen. Die Verkäufe liegen damit klar unter den erwarteten 150 Millionen Dollar.
Für 2022 hofft das Management nun auf Einnahmen von gerade noch 500 statt 600 Millionen Dollar. Zudem liegt der Nettoverlust mit fast 100 Millionen Dollar um das Fünffache höher als im Vorjahr. Nun entlässt die Firma 4 Prozent ihres Personals.
Verantwortlich sind neben gestiegenen Rohstoffpreisen die zunehmende Konkurrenz und die sich abkühlende Konjunktur. Viele Konsumenten in den USA und Europa überlegen es sich angesichts rasanter Preissteigerungen heute zweimal, ob sie den üblichen Aufschlag für Alternativprodukte zahlen wollen.
Tiefstand an der Börse
An der Börse ist die Begeisterung weg: Die Aktie von Beyond Meat machte in den letzten Wochen zwar Terrain gut, dümpelt aber noch immer auf einem Drittel des Wertes vor einem Jahr.
Die Aktie von Oatly hat seit dem Börsenstart im Mai 2021 rund 80 Prozent an Wert verloren. Das Unternehmen gab bekannt, dass es seine Investitionen für das Jahr 2022 um die Hälfte reduziert und die Umsatzerwartungen von 900 auf 800 Millionen Dollar senkt.
Studie sieht Boom voraus
Mittel- und langfristig sieht die Entwicklung für Milch- und Fleischersatzprodukte laut einer aktuellen Studie von Future Market Insights gut aus. Sie sieht ein jährliches Wachstum für Proteinersatz-Artikel von 20 Prozent bis 2032 voraus. Ohne zusätzliche Kredite und Investoren könnte den beiden prominenten Plant-based-Produzenten vorher aber der Schnauf ausgehen.
Eine Studie des Bundesamtes für Landwirtschaft stimmt ebenfalls optimistisch. Denn danach nimmt der Konsum von Milchersatzprodukten seit 2017 kontinuierlich zu.
Laut dem Anfang des Jahres publizierten «Plant Based Food Report» von Coop gaben 58 Prozent der 15- bis 29-Jährigen an, dass sie in fünf Jahren häufiger als heute pflanzenbasierte Ersatzprodukte konsumieren werden.
Nimmt man die Zahlen für bare Münze, stellt sich dennoch die Frage, welche der heutigen Anbieter dannzumal noch auf dem Markt sein werden.
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