Schweizer Detailhandel verliert durch Einkaufstourismus 8,4 Milliarden

Vor fünf Jahren hatte die Summe noch 9 Milliarden Franken betragen, so eine HSG-Studie. Für die leicht rückläufige Tendenz gibt es auch sonderbare Erklärungen.

14.11.2022
image
Klassische Anlaufstelle für Schweizer Shopper: Einkaufszentrum «Lago» in Konstanz   |   Bild: PD
  • handel
  • konjunktur
  • non-food
Herr und Frau Schweizer kaufen zunehmend weniger im nahen Ausland ein: Der Einkauf in Ladengeschäften jenseits der Grenzen ist seit 2017 um mehr als 10 Prozent gesunken. Dies besagt eine neue Erhebung der Universität St. Gallen.
Danach fiel der durchschnittliche Betrag pro Einkauf in nahen Auslands-Geschäften von 246 auf 216 Franken. Zudem wird auch seltener im Ausland eingekauft, nämlich 4,8mal nach 5,2mal vor fünf Jahren.
Basis der Erhebung unter der Leitung von HSG-Professor Thomas Rudolph ist eine Online-Befragung von mehr als 3000 Einkaufstouristen aus der Schweiz.
  • Thomas Rudolph, Christopher Schraml, Christine Otto, Nora Kralle: «Einkaufstourismus Schweiz 2022/23», November 2022. — Zur Medienmitteilung.
Eine Erklärung für die rückläufigen Zahlen liegt in der hohen Inflation im benachbarten Ausland: Die Preissteigerungen würden bei jedem fünften Einkaufsgast ein Umdenken bewirken, so die Studie; dies offenbar trotz des etwas stärkeren Frankens.
Eine weitere Rolle könnte die so genannte «Bagatellgrenze» spielen, die Deutschland im Januar 2020 einführte; seither wird die Mehrwertsteuer für Einkäufe unter 50 Franken nicht mehr zurückerstattet. Die Studie veranschlagt die Wirkung dieses Schritts auf gut 2 Milliarden Franken – um so viel habe sich der Einkaufstourismus deshalb wohl zurückgebildet.
Als weitere Gründe nennen die Autoren (respektive die von ihnen befragten Personen) die Wartezeiten an den Grenzen, die vollen Züge, die aufwändige Zollabfertigung oder – als bemerkenswerten Aspekt – «die Gefahr, Freunde und Bekannte zu treffen

E-Commerce fängt nicht alles auf

Und so gibt es auch einen diskreten Gegentrend: Online kaufen heute mehr Schweizerinnen und Schweizer im Ausland ein als 2017. In Zahlen: Die Quote stieg von 37 auf 42 Prozent. Betragsmässig legte das Online-Auslands-Shopping um 20 Prozent zu – es dürfte dieses Jahr 1,45 Milliarden Franken erreichen.
Dennoch: Tendenziell bleibt wieder ein bisschen mehr im Land.
«In vier von fünf Branchen überstieg die Abnahme des stationären Einkaufstourismus die Zunahme durch den Online-Einkaufstourismus», so die Autoren. Oder einfacher gesagt: Unterm Strich gab es etwas weniger grenzübergreifendes Shopping.
Dies insbesondere bei der Bekleidung, wo sich das Gesamtvolumen seit 2017 um rund 300 Millionen Franken reduzierte.
Im Einrichtungsbereich stiegen Online-Einkäufe um 123 Millionen Franken – während der stationären Einkaufstourismus sich um 180 Millionen zurückbildete.
Und der Sportartikel-Bereich verzeichnete sogar bei beiden einen Rückgang; also beim stationären Einkaufstourismus (–159 Millionen Franken) wie im Online-Einkaufstourismus (-21 Millionen Franken).

Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
1 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Auch interessant

image

«Schön hier»: Eine Vision für die angeschlagenen Galeria-Warenhäuser

Der Online-Händler Buero.de will in Deutschland reihenweise Kaufhaus-Standorte übernehmen. Erste Ideen dazu: Unterm Namen «Schön hier» sollen die Geschäfte ein «Gefühl der Heimat» vermitteln.

image

Detailhandel Schweiz: Es war ein flauer Oktober

Berücksichtigt man die Inflation, so wurde weniger verkauft als im gleichen Vorjahresmonat. Für einmal sackte auch der Non-Food-Bereich ab.

image

EU will dem Verpackungsmüll an den Kragen gehen

Mit der neuen Verpackungsordnung sollen durch Vorgaben und Ziele Abfälle vermieden und Mehrweglösungen gefördert werden. Umweltschützer kritisieren sie als zu wenig ehrgeizig.

image

Kosmetik: Möchten Sie Aesop?

Offenbar ist derzeit eine Beteiligung an der gepflegten Kosmetikmarke zu haben.

image

Inditex und BASF entwickeln Waschmittel gegen Mikroplastik

Die spanische Zara-Mutter und der deutsche Chemiekonzern lancieren ein Produkt, das die Mikroplastik-Absonderungen beim Waschen senken soll.

image

Möbel statt Mode: Modissa-CEO wechselt zu Horgenglarus

Marc Huber – ehemals auch Calida- und Jelmoli-Manager – übernimmt im Februar die Geschäftsführung des Möbelherstellers.