Ist dies das Warenhaus der Zukunft?

Die Globus-Schwester Selfridges will weniger verkaufen – und dafür mehr vermieten, reparieren, wiederverwerten, tauschen. Klingt fast nach Disruption.

5.09.2022
letzte Aktualisierung: 2.01.2023
image
Selfridges-Warenhaus Birmingham mit Fassadengestaltung durch den Künstler Osman Yousefzada  |  Bild: PD.
Selfridges: Das steht in Grossbritannien bekanntlich für Luxus und gehobenes Shopping. Die kleine, feine Warenhausgruppe mit vier Häusern – zwei in London, je eines in Manchester und Birmingham – wird vor allem angesteuert, wenn man sich etwas in der Saint-Laurent-, Jimmy-Choo- und Roederer-Liga leisten will.
Doch das Management hat weiterreichende Ambitionen. «Let's Change The Way We Shop» prangt in gigantischen, gelben Buchstaben am berühmten Hauptgeschäft an der Oxford Street. Im Rahmen eines «Project Earth» propagiert das Unternehmen neue Nachhaltigkeits-Ziele.

Tauschplattform statt Kaufhaus

Nun ist das nicht besonders originell: Es ist das, was alle tun.
Interessant wird die Sache allerdings, weil Selfridges daraus eine grundsätzliche Verlagerung des Geschäftsmodells ableitet: weg vom Verkauf von Originalprodukten – hin zu anderen Waren-Bewegungen.
Konkret gab Selfridges jüngst bekannt, dass sich bis 2030 knapp die Hälfte seiner Kundenkontakte um Wiederverkauf und Occasions-Geschäfte, um Reparaturen, Vermietungen oder Refills – also Nachfüllungen – drehen sollen.

28'000 Reparaturen

Selfridges verpflichte sich zu einem «fundamental shift in the way we do our business», liess sich Managing Director Andrew Keith zitieren: eine fundamentale Verlagerung also. Die Warenhäuser würden sich zu Austauschplattformen wandeln. «Unsere Vision ist es, den Detailhandel neu zu erfinden.»
Um zu untermauern, dass es sich hier nicht nur um handelsübliche ESG-Sprüche handelt, legte Selfridges ein paar Zahlen vor: Im Geschäftsjahr 2021 habe die Gruppe den Verkauf von Secondhand-Artikeln um 240 Prozent gesteigert – auf 17'800 Stück. Und insgesamt seien 28'000 Reparaturen angenommen und durchgeführt worden.

Gut für die Kundentreue

Jetzt bewirbt Selfridges zuvorderst auf seiner Website solche «Project Earth»-Angebote – aktuell zum Beispiel: Designermode von Jacquemus zur Miete. Wiederauffüllbare Lippenstifte. Oder eine Einladung zum herbstlichen Sneaker-Flick-Service.
Es wird spannend sein zu verfolgen, wie Selfridges – das bekanntlich seit knapp zwei Wochen offiziell zur Signa-Centralgroup-Luxus-Warenhausgruppe gehört – solche Tauschplattform-Ambitionen in Umsätze umsetzen kann. Eine Argument dabei birgt in der Tat ein Versprechen: Je stärker es gelingt, die Kundenbeziehungen auf nachhaltige Austauschaktionen wie Miete, Refill und Reparatur zu bauen, desto enger und stabiler dürften diese Beziehungen werden.
  • handel
  • warenhäuser & shopping centers
  • esg
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
1 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Auch interessant

image

Biomarkt: Preisüberwacher wittert Überteuerung – aber kann nichts tun

Stefan Meierhans hat den blockierten Bio-Bericht vorgelegt. Der Konsumentenschutz fordert, dass die Wettbewerbskommission gegen die Marktmacht von Migros und Coop vorgeht.

image

Globus startet Limousinenservice

Die Warenhausgruppe feilt an ihrem Luxus-Appeal: In Zürich kann sich die Kundschaft nun auch vom Globus-Chauffeur holen lassen.

image

Nestlé trifft seine Händler jetzt im Metaverse

Die Sparte Nestlé Purina Petcare experimentiert mit Kundenkontakten im virtuellen Raum. Begonnen hat das Projekt in der Covid-Phase.

image

Walmart lanciert Online-Warenhaus für KMU und NGOs

Ein eigener Bereich versammelt Güter für den täglichen Betriebsbedarf – ob im Büro, im Pausenraum oder in der Technologie.

image

Toujust: In diesem Laden sind die Lieferanten auch Aktionäre

In Frankreich startet eine neuartige Supermarkt-Kette. Konzept: Tiefere Preise, da die Lieferanten beteiligt sind.

image

Diese Artikel verkaufen Influencer am besten

Hairstyler, Lippenstifte, Handtaschen, Pfannen, Hautcremen: Die Bestseller der Influencer gleichen dem Angebot im Shopping-TV.