Marktmacht hemmt Label-Fleisch-Umsatz

Das Duopol von Migros und Coop verhindert, dass mehr tierfreundlich produziertes Fleisch verkauft wird. Das besagt eine Studie im Auftrag des Tierschutzes.

22.11.2022
image
Bild von: on Unsplash
Eine aktuelle Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW im Auftrag des Schweizer Tierschutzes (STS) bestätigt ältere Analysen: Die Marktmacht der zwei grossen Schweizer Detailhändler Coop und Migros ist verantwortlich für die Stagnation beim Absatz von Labelfleisch.
Denn einerseits mangle es an Wettbewerb zwischen den Einzelhändlern, andererseits seien die Preisunterschiede zwischen konventionellen und Label-Produkten zu gross. Deshalb verharre der Anteil an tierfreundlich hergestelltem Fleisch bei rund 12 Prozent. Zwischen 2020 und 2021 ist er sogar leicht gesunken – obwohl in der Schweiz mehr geschlachtet wurde.

«Labelmüdigkeit» bei Detaillisten

Diese Entwicklung könne nicht in erster Linie den Konsumentinnen und Konsumenten angelastet werden. Viel eher mache sich in der Branche und im Detailhandel eine gewisse «Labelmüdigkeit» breit, so die Studie.
Schweinefleisch in Bio-Qualität koste «zum Teil mehr als das Doppelte eines entsprechenden konventionellen Produktes». Unter solchen Marktbedingungen hätten Konsumentinnen und Konsumenten keinen Anreiz, mehr Label- und Biofleisch zu kaufen, so die Studienautoren.

Handel schöpft mehr ab

Die Hauptkritik richtet sich an den Handel – und dabei insbesondere an das Quasi-Duopol von Coop und Migros: Die Landwirte erhalten von diesen für Label- und Bioprodukte nicht genug, um die zusätzlichen Kosten zu rechtfertigen. Gleichzeitig sind die Preisunterschiede im Detailhandel für die meisten Konsumenten prohibitiv hoch.
image
Beispiel «Hackfleisch». Quelle und Grafik: Studie FHNW/STS
Die Wertschöpfung in der Herstellung von Schweizer Fleisch verschiebt sich stark – je nachdem ob dieses konventionell oder in Label- beziehungsweise Bio-Qualität produziert wird. So blieben bei Bio-Fleisch rund die Hälfte und bei Rind-Hackfleisch mit «Tierfreundlich-Label» 40 Prozent der Wertschöpfung beim Handel. Bei Fleisch mit tiefen Standards sind es lediglich 20 Prozent.
Dabei spielt es keine grosse Rolle, ob es sich beim Detailhändler um einen Discounter handelt oder nicht: Tierhalter erhalten nur wenig mehr, wenn sie ihr Label-Fleisch über Discounter verkaufen, wie die Studie zeigt.
image
Anteil eines von Konsumenten ausgegebenen Frankens (in %), der an die Halter geht (ungefähre Durchschnittswerte) | Grafik: Studie FHNW/STS

Der Bund ist gefragt

Die Autoren erklären sich die im Vergleich zu den Konsumentenpreisen relativ geringen Produzentenpreise mit der Marktmacht auf der Nachfrageseite. «Viele kleine Anbieter (die einzelnen Tierhalterinnen und -halter) treffen dort auf wenige grosse Nachfrager (vor allem Grossverteiler).»
Unter solchen Bedingungen würde der Produzentenpreis tendenziell nach unten gedrückt, da die Nachfrager den Preis bestimmen können.
Dazu liefert die Studie dem Schweizer Tierschutz eine politische Handlungsanweisung: «Es ist somit offensichtlich, dass die Märkte für Bio- und Labelfleisch unterreguliert sind und die Marktkräfte nicht ausreichen, um den Tieren ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Es besteht dringender Handlungsbedarf beim Bund.»
  • fleisch
  • handel
  • food
  • landwirtschaft
  • migros
  • coop
  • esg
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
1 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Auch interessant

image

Ramseier Suisse konnte Verkaufsmenge steigern

Der Umsatz des Getränkeproduzenten stieg letztes Jahr um 4 Prozent. Ein grosses Thema für 2024: weniger Zucker.

image

Ein saurer Tropfen für die grossen Wein-Länder

Volle Lagerbestände, kantige Kunden, ein Trend zu billigeren Angeboten: Der Export von Weinen war letztes Jahr eine herbe Sache.

image

Pistor investierte 34 Millionen in Logistik-Ausbau

Das Grosshandels-Unternehmen muss stetig wachsende Bestellmengen bewältigen. Letztes Jahr lieferte es rund 119'000 Tonnen aus.

image

Barry Callebaut streicht etwa 2500 Stellen

In den nächsten Monaten will der neue CEO Peter Feld entschlossen für weniger Doppelspurigkeiten und mehr Standardisierung sorgen.

image

Decathlon baut Präsenz in den Innenstädten aus

Der Sportartikel-Riese eröffnet Filialen in Genf, Winterthur, Vevey und Granges-Paccot. Weitere neue Standorte dürften dieses Jahr folgen.

image

Ricola Schweiz: Daniela Ruoss folgt auf Toni Humbel

Die neue Geschäftsführerin kommt von Mars zum Kräuterbonbon-Spezialisten.