Vegan-Aktien stürzen ab, Fleisch-Hersteller wieder à la mode

Erinnern Sie sich noch, wie Alternativ-Food-Firmen zu Milliarden-Geschäften wurden? Jetzt fallen viele zurück auf den Boden der Tatsachen.

8.11.2022
image
So etwas geht heute auch vegan. Aber es ist oft teurer…  |  Bild von: Edward Franklin on Unsplash
Die Börse soll und will bekanntlich die Zukunft abbilden, und glaubt man der jüngsten Entwicklung dort, so ist das Vertrauen ins Vegan-Business ziemlich eingebrochen.
Daten dazu liefert die internationale Trading-Plattform eToro (Umsatz 2021 bei 1,2 Milliarden Dollar). Sie hat einen Food-Vergleich der Investments gemacht. Konkret setzte sie einen Aktienkorb mit Alternativ-Protein-Firmen einem Korb mit Titeln von Fleischherstellern gegenüber.
Resultat: Der Basket mit den zehn grössten börsenkotierten Unternehmen des globalen Vegan-Business hätte in den vorherigen 12 Monaten einen Rückschlag von satten 51 Prozent eingefahren. Über 24 Monate wäre das Minus bei 36 Prozent gelegen.
Dem stellten die eToro-Analysten eine andere Auswahl gegenüber – bestehend aus zehn besonders wichtigen Fleischverarbeitern. Hier setzte es über die letzten 12 Monate ebenfalls einen Verlust; aber dieser lag mit 12 Prozent in einem engeren Rahmen.
Und über zwei Jahre ergab sich sogar ein Kurszuwachs von 7 Prozent.
Überrascht das? Nicht unbedingt. Irgendwie zeigt sich in den Verschiebungen die allgemeine Tendenz weg von den Zukunfts- und Tech-Aktien. Wenn Aktien von Firmen wie Facebook oder Tesla besonders leiden, dann leiden eben auch die Titel von Beyond Meat oder Oatley. —
In den Vorjahren der Tech-Booms war es umgekehrt gewesen. Deshalb können die erfassten Vegan-Titel über den längeren Zeitraum von drei Jahren gesehen immer noch eine saubere Performance von 38 Prozent aufweisen – derweil die Fleischlieferanten in dieser Periode an Wert verloren.

Nestlé & Co. reagierten

«Viele der sogenannten veganen Aktien schnellten während des breiteren Startup-Capitals- und Technologiebooms der letzten Jahre in die Höhe», kommentiert Ben Laidler, Global Markets Strategist bei eToro die Ergebnisse. «Jetzt fallen sie wegen schwierigen Marktbedingungen, hohen Zinsen und Rezessionsrisiken zurück auf den Boden der Tatsachen.»
Hinzu komme, dass etablierte Protein- und Lebensmittelkonzerne reagiert haben: Sie expandieren in neue, fleischfreie Produktlinien, wobei sie ihre Grössen- und Vertriebsvorteile ausspielen können.

Lahme Fleischfirmen

Klar ist aber auch, dass die Fleischanbieter in den letzten fünf Jahren nicht unbedingt überzeugende Aktieninvestments waren. Und das sind sie auch jetzt nicht. Ben Laidler bezeichnet die Performance als «langsam und stetig».
Immerhin könnten diese Unternehmen momentan etwas davon profitieren, dass die Konsumenten wegen der Teuerung auf billigere Proteinquellen umsteigen (also auch auf Fleisch statt Veganschnitzel).
Und dass die Anleger zugleich wieder stärker zu konservativen Basiswerten neigen.
  • food
  • industrie
  • fleisch
  • vegan
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
1 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Auch interessant

image

Neue Marketing-Chefin für Betty Bossi

Lars Feldmann konzentriert sich wieder voll auf die Geschäftsführung, Catherine Crowden übernimmt Marketing und Vertrieb.

image

Hochdorf: Ein Rettungsanker aus Italien

Der Babyfood- und Nutrition-Konzern hat einen neuen Grossaktionär mit strategischen Plänen.

image

Wie man beim Auffüllen der Regale massiv Zeit spart

Ein kleiner Trick erspart bis 90 Minuten Arbeitszeit pro Tag und pro Filiale. Sagt die belgische Retail-Kette Colruyt.

image

L’Oréal: Neuer General Manager für deutschen Sprachraum

Jean-Christophe Letellier übernimmt von Kenneth Campbell die Geschäftsführung von L'Oréal Österreich, Deutschland und Schweiz.

image

Lauwarmer Jahrestart 2024 für Nestlé

Der Konzern musste im ersten Quartal eine Umsatzdelle hinnehmen. Dank Preiserhöhungen gab es dennoch ein organisches Wachstum. Nestlé bleibt optimistisch und bestätigt die Ziele.

image

Pistor: Christophe Ackermann neu im Verwaltungsrat

Der Waadtländer ersetzt Nicolas Taillens, der nach 12 Jahren die Amtszeitbegrenzung erreicht hat.