5 Beispiele: Wie Aldi über eine TV-Show tolle Produkte fand

In einer britischen Reality-Show kämpften kleine Hersteller darum, ins Aldi-Sortiment zu kommen. Diese Artikel schafften es.

25.11.2022
letzte Aktualisierung: 20.01.2023
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Muss vegan & anti-allergen dröge sein? Rob Brice findet nicht – und verkauft Monsterfüsse  |  Bild: Crave.
Ein Projekt in England erweist sich als mehrfache Win-Win-Situation: In «Aldi's Next Big Thing» präsentieren kleine Lebensmittel-Hersteller ihre Produkte vor einer Fernseh-Jury. Ziel ist es, dass Aldi – der Partner der TV-Sendung auf Channel 4 – den Artikel in seine Regale stellt (mehr).
Win, win, win, win ist dies, weil Channel 4 eine publikumsnahe Show bekommt. Weil die Hersteller auf den Vertrag ihres Lebens hoffen können. Weil beide Seiten Publicity kriegen: Aldi wie auch alle Hersteller, die vor einem Millionenpublikum gegeneinander antreten.
Und viertens: Weil auf diese Weise tatsächlich viele schöne Ideen ins Rampenlicht der Branche und des Publikums kommen.

«Das beste Produkt, das ich je hatte»

Inzwischen sind die Sieger der ersten Phase bekannt. Resultat: Aldi führt künftig vegane Snacks in Tatzenform, einen jamaikanischen Rum-Kuchen oder griechisch gepökelte Charcuterie.
Aber der Reihe nach.
In der ersten Sendung konnten sich Kleinst-Anbieter vorstellen. Dabei setzten sich Colin Harrison and Paulette Griffiths durch – ein Ehepaar aus Nottingham, das zuhause einen Rumkuchen nach einem karibischen Rezept bäckt.
Die oberste Einkaufsmanagerin von Aldi, Julie Ashfield, nannte den Cake «das beste Produkt, das ich gegessen habe, in der Geschichte der Produkte, die ich testete».
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Der «Rum Cake» von Harrisons & Griffiths ist nun seit dem 28. Oktober in den britischen Aldi-Regalen.

Die liebevolle Pastete

In der zweiten Sendung ging es um Backwaren oder allgemein Bäckerei-Produkte. Hier gewann ein Familienbetrieb aus West Essex, der seit 2009 lokal eine Curry-Poulet-Pastete im Angebot hat – den «Mud Pie».
«Liebevoll zubereitet mit frischen Zutaten wie Ingwer, Knoblauch, grünen Chilischoten, Koriander und britischem Hühnchen, kreiert Mud Foods einen wunderbar abgerundeten und schmackhaften Kuchen», so das Urteil von Aldi.
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Trockenfrüchte für Kinder

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In der dritten Sendung – Thema: Gesundheit – wählte die Jury einen Bauernhof aus Kent respektive dessen Marke «Freddie's Farm». Hier werden getrocknete Früchte in handliche bunte Snack-Tüten und -Boxen gepackt.
Nichts besonderes? Vielleicht nicht. Aber es ist ein einfaches, regionales Produkt; und vor allem wird dem Zielpublikum Kind mit den bunten Schächtelchen etwas anderes geboten als mit den üblichen Trockenfrüchte-Plastiksäcken.

Die griechische Note

Thema der vierten Sendung war «Fresh & Deli». Hier gewann eine Charcuterie-Firma, die erst vor wenigen Monaten startete: «The Greek Farmer». Die Gründer – zwei Männer mit zypriotischen Wurzeln aus Hertfordshire – pökeln das Fleisch in einem alten umgenutzten Silo nach traditionellen griechischen Methoden und mit entsprechenden Gewürzen.
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Nächstes Thema: «Vorratskammer». Da ging es um Alltags-Produkte mit grosser Haltbarkeit – und für einmal konnte sich die Jury nicht recht entscheiden. So dass Aldi seit dieser Woche gleich zwei neue Angebote in den britischen Regalen hat.
Da ist erstens das «Yorkshire Pudding Beer» – also ein Bier, für das tatsächlich die berühmten Pasteten verarbeitet werden. (Das muss wohl ein sehr britisches Ding sein).
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Zweitens wählte die Jury «Harry Specters Chocolate Bars»: Die Tafeln gibt es als Milchschokolade mit Meersalz und Caramel, als Milchschokolade mit Erdnussbutter sowie als dunkle Schokolade mit Orangen.
Ein entscheidender Punkt: Die Schokolade wird ausschliesslich von autistischen Mitarbeitern hergestellt. Denn die Gründer, ein Paar aus der Region Cambridge, waren auf ihre Idee gekommen, nachdem sie bemerkt hatten, dass die Routinearbeit der Schokoladeproduktion eine perfekte Beschäftigung darstellt für ihren autistischen Sohn.
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Bei den Snacks schliesslich setzte sich ein ähnlicher Ansatz durch wie bei den Trockenfrüchten von «Freddie's Farm»: Branding ist wichtig.
Man nehme also ein gesundes Angebot und gestalte es jugendlich um.
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Die Marke «Crave» bietet vegane und allergen-arme Snacks, die in lustige Formen gegossen werden, beispielsweise in Tiertatzen. Es gibt sie in Geschmacksrichtungen wie «Eingelegte Zwiebeln» und «Räucherspeck».
«Meine Inspiration für Crave lag darin, dass so viele 'Frei von…'-Lebensmittel langweilig sind oder sich hauptsächlich auf die Gesundheit konzentrierten», erklärt «Crave»-Entwickler Rob Brice. «Ich wollte die Dinge aufrütteln, viel Geschmack reinbringen und ein bisschen Spass bieten.»
  • Zum Thema: 18 wegweisende FMCG-Innovationen in Europa.
  • food
  • industrie
  • marketing
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