Die Zalandisten in Zürich müssen zittern

Zalando will hunderte Stellen streichen. Das Management verschont dabei vor allem die Logistik und Kundendienste. Innovations-Teams hingegen könnten ins Visier geraten.

22.02.2023
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Zalando-Standort im Prime Tower, Zürich-West | Bild von: on Unsplash
Zalando streicht mehrere hundert Stellen – Konsider hat darüber berichtet. Der gestrige Lagebericht der Gründer David Schneider und Robert Gentz an die Dear Zalandos klingt alarmierend.
Welche Abteilungen betroffen sind, bleibt im Schreiben unklar. Ins Visier kommen offenbar vor allem Verwaltungs-Jobs, wobei explizit auch die «obere Führungebene» gemeint ist. Eher verschont werden indes «Frontline-Operations-Funktionen in Logistikzentren, Kundenbetreuung und Outlet-Stores sowie operative Funktionen in unseren Zalando Studios».

«Keine Angaben» zu betroffenen Standorten

Wie steht es aber um Zalandos Zürcher Innovations-Labor, das 2020 aus dem ETH-Spinoff Fision entstand und Bodyscan-Apps entwickelt? «Wir können noch keine Angaben zu individuellen Standorten machen», antwortet Sheenagh Matthews, Head of Business & Financial Communications bei Zalando in Berlin, auf Anfrage von Konsider.
Damit ist klar: Aus dem Schneider ist das Zürcher Tech-Büro von Zalando nicht.
Im Gegenteil: Einige der im «Update» der Zalando-CEOs angesprochenen Themen sprechen für einen weit reichenden Ab- und Umbau des Konzerns, dessen Belegschaft seit 2020 von rund 14'200 auf heute mindestens 17'000 Leute angewachsen ist – und damit um gut 20 Prozent. Auch in der Innovationsabteilung, in der viele gut bezahlte Experten sitzen.
«Wir haben unserer Organisation einen Grad an Komplexität hinzugefügt, der unsere Fähigkeit, schnell zu handeln, beeinträchtigt hat.»
So merken die Co-Chefs in ihrem Mitarbeiter-Memo selbstkritisch an: «In den letzten Jahren sind einige Bereiche unseres Unternehmens zu sehr gewachsen, und wir haben unserer Organisation einen Grad an Komplexität hinzugefügt, der unsere Fähigkeit, schnell zu handeln, beeinträchtigt hat.»
Anstelle eines «grossen Unternehmens mit einer grossen Unternehmensstruktur und einem grossen Mindset» müsse Zalando «ein grosses Unternehmen mit einer kleinen Unternehmensstruktur und einem kleinen Mindset» werden. Genauer: «Eine unternehmerische Gesellschaft, die sich Einfachheit, Pragmatismus und Sparsamkeit auf die Fahnen geschrieben hat.»

Innovation durch Einfachheit

Diese Grundsätze würden «die Innovation vorantreiben und uns in die Lage versetzen, in unsere strategischen Prioritäten zu investieren und die Zukunft des europäischen elektronischen Handels zu gestalten».
Innovation durch Einfachheit, Pragmatismus und Sparsamkeit? Das klingt nicht gut für die Zürcher Entwickler von Zalando, deren Innovationen bisher nichts zur Profitabilität, aber einiges zu den Kosten beigetragen hat.
Die neue Zalando-Leitlinie könnte auch heissen: Innovation holen wir uns in Zukunft sparsam von aussen. Lieber einfach und pragmatisch als perfekt und zu teuer.
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