Kommt jetzt die grösste Retourenflut aller Zeiten?

Die Händler legten am diesjährigen Black Friday zu. Das könnte aber auch zu umso mehr Retouren führen.

22.12.2023
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Erst mit Euphorie gekauft, dann wieder zurückgebracht: Cam Morin on Unsplash von: on Unsplash
Der Handel erzielte am Black Friday und Cyber Monday erfreuliche Ergebnisse – so wie es im Moment aussieht allerdings auch auf Kosten des Weihnachtsgeschäfts. Aber trotzdem: Es war ein Impuls in der eher trüben Detailhandels-Entwicklung.
Vor allem in den USA trugen die Rabattschlachten dazu bei, dass die Umsätze im Einzelhandel um rund sechs Prozent nach oben geklettert sind, wie die Fach-Plattform «Retaildive» berichtet.

Fast ein Fünftel der gekauften Ware geht zurück

Doch diese Zahlen können auch trügerisch sein – weil etwa verschwiegen wird, was dem Handel und insbesondere dem Onlinehandel seit langem Kopfzerbrechen bereitet: Die Retouren.
Besonders hoch sind diese nach den Feiertagen: In den USA schätzt die National Retail Federation eine Rückgabequote während den Feiertagen von 18 Prozent im Einzelhandel. Das sind über 800 Milliarden von Dollar. Dieses Jahr könnte es allerdings noch zunehmen – gerade wegen des Shoppingbooms im November.

Zusätzliches Personal für Retouren

Die Verhältnisse, zumindest in den USA, sind dabei weitreichend: In diesem Jahr erwartet die führende amerikanische Retourenplattform Optoro, dass zwischen Thanksgiving und Ende Januar Waren im Wert von 173 Milliarden Dollar zurückgegeben werden.
Nur ein oder zwei Tage nach dem Cyber Monday hatte nach Angaben des Datenverarbeiters Syndigo bereits fast ein Viertel der Käufer mindestens einen dieser Einkäufe zurückgegeben oder zumindest geplant, ihn zurückzugeben.
Händler können die Ware aber oftmals nicht mehr zum neuwertigen Preis oder gar nicht mehr verkaufen. Um diese Retouren auch zu bearbeiten, müssen sie zudem mehr Personal einstellen, was wiederum Kosten verursacht.
Manchmal ist der Aufwand für eine Retoure so gross, dass die Händler dem Kunden das Produkt einfach kostenlos überlassen. In den USA sind das laut Retaldive rund ein Drittel der Artikel, die weniger als 20 Dollar kosten.

Viel mehr bestellen

Dabei ist es ein Kreis: Je einfacher (und günstiger) die Rückgaberegelungen sind, desto attraktiver wird Online-Shopping . Fast die Hälfte aller Käufer gibt alle paar Monate etwas zurück. 22 Prozent mindestens einmal pro Monat, schreibt Optoro in einer Analyse.
So planen die Händler, den Zeitraum der Rückgabe vor und nach den Feiertagen auf wenige Tage zu verkürzen. Die meisten Händler bieten normalerweise zwischen 7 und 14 Tage an. Einige der Giganten wie Amazon oder Zara haben hingegen keine Lust mehr auf die Retouren und machten sie wieder kostenpflichtig.
Damit wolle man laut «Retaildive» vor allem die Käufer abschrecken, die aus Prinzip schon mal zahlreiche Artikel bestellten, um diese auszuprobieren. Kein Wunder, denn laut Optoro bestellen etwa 35 Prozent der Fashion-Shopper sozusagen «auf Vorrat». Das bedeutet, sie bestellen dasselbe Kleidungsstück in mehreren Farben oder Grössen, mit der klaren Absicht, ein Teil der Ware sowieso wieder zurückzuschicken.
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