Milch: So kämpft man in Frankreich um die Margen

Bauern gegen Genossenschaften gegen Detailhandel: Die Teuerung verschärft das Gezerre um Abnahmepreise und Handelsmargen.

25.09.2022
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Die Teuerung ist immer auch ein Kampf um die Margen: Wer muss sich wieviel einschränken, wenn die Beschaffungspreise steigen – die Landwirte? Die Hersteller? Der Handel? Oder am Ende die Konsumente, die dann die Inflation spüren?
In der Schweiz versandten die Milchproduzenten unlängst ein Protest-Communiqué, in dem sie die hohen Margen des Detailhandels anprangerten: 40 bis 60 Prozent Preisabschöpfung – das sei nicht fair. Die Getreidebauern wiederum verlangen ihrerseits höhere Entschädigungen, welche der Handel dann aber nicht an den Konsumenten zumuten will. Und so weiter.
In Frankreich aber nimmt der Margenkampf bereits handfestere Formen an: Die Bauern protestieren gegen Abnahmepreise, welche ihre steigenden Kosten in keiner Weise mehr spiegeln.

500 Euro pro Tonne

Ende letzter Woche wurde die Yoplait-Fabrik bei LeMans blockiert – und zwar radikal. Hunderte Bauern verrammelten alle Zugänge mit Mist, alten Autoreifen und Abfall. Fast zeitgleich zogen Bauern in Awoingt in Nordfrankreich vor die Fabrik von Candia – die zur Genossenschaft Sodiaal gehört –, um höhere Abnahmepreise zu fordern. Und in einer weiteren Sodiaal-Fabrik ebenfalls bei Le Mans kam es zu einer weiteren Blockade.
Die französischen Bauern streben einen Mindestbetrag an: «Die Milchproduzenten haben immer wieder gefordert, dass symbolischen Preis von 500 Euro pro 1'000 Liter erreicht wird, aber nichts geschah. Anfang des Monats kaufte die Genossenschaft (in diesem Fall Sodiaal) die Milch für 402 Euro pro 1'000 Liter», so der Bauernverband FNSEA. «Unsere Bauern können ihre Produktionskosten kaum decken!»
Wobei sie nicht nur die Margen der Milchverarbeiter im Visier genommen haben: Als nächstes sind Aktionen vor den Supermarktketten Leclerc und Auchan angekündigt.
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