Nestlé steckt 100 Millionen in US-Restaurant-Delivery Wonder

Die «strategische Partnerschaft» soll es Kunden des Konzerns ermöglichen, ihre Aktivitäten zu skalieren. Dabei bleibt unklar, wofür sich Nestlé genau interessiert.

9.11.2023
image
Lieferfahrzeug der Wonder Group | Bild: LinkedIn / Wonder
Nestlé engagiert sich finanziell beim US-Gerichte-Lieferanten Wonder Group des früheren Walmart-Managers Marc Lore. In Medienberichten ist von einem Investment in Höhe von 100 Millionen Dollar die Rede (hier, hier). Ein Nestlé-Mediensprecher bestätigt den Vorgang, nicht jedoch die Höhe der Beteiligung.
Über die Beweggründe des Engagements lässt Nestlé gegenüber Konsider verlauten: «Diese strategische Partnerschaft wird es uns ermöglichen, unseren Kunden eine innovative und neuartige Lösung anzubieten, wenn sie nach Möglichkeiten suchen, ihren Betrieb zu skalieren. Sie kann ihnen helfen, die Lebensmittelqualität zu verbessern, die Arbeitseffizienz zu steigern und zusätzliche Einnahmequellen zu erschliessen.»
Das Unternehmen Wonder Group hat seit dem Start 2018 laut Medienberichten Risikokapital in der Höhe von 950 Millionen Dollar eingesammelt, um Menus verschiedener Restaurants auf neue Weise an die Konsumenten zu bringen: Das Konzept fast fine (schnell und edel) sah zunächst vor, dass Gerichte in zentralen Küchen vorbereitet, dann in einem Küchenwagen vor Ort bei den Kunden fertiggekocht werden. Ziel: frischere Endprodukte als üblich im Food-Delivery-Sektor.
Im Januar 2023 kam die Kehrtwende: Marc Lore schaffte die fahrbaren Küchen ab und zentralisierte den gesamten Kochvorgang in elf Grossküchen, von denen aus nur die unmittelbare Nachbarschaft bedient wird. Wonder kaufte zudem kürzlich für 100 Millioen Dollar die Firma Blue Apron, die Mahlzeiten in Paketen anbietet. Im weiteren habe es Küchengeräte für die Zubereitung von Speisen in «Restaurantqualität» entwickelt.
Welche Strategie hinter dem Investment von Nestlé steckt, bleibt unklar. Zum einen ist denkbar, dass es eine Stärkung seiner eigenen Food-Liefergeschäfte mit präpariertem Food, etwa in Zusammenhang mit Diätmenüs von Spitälern, erhofft – Konsider hat über das Projekt berichtet.
Gegenüber dem TV-Sender CNBC sagte Wonder-Chef Lore aus, Nestlé würde sich für sein Food-Service-Geschäft mit Universitäten und Kreuzfahrtlinien für die Küchenausrüstung von Wonder interessieren. Das Branchenmedium «Just Food» wiederum spekuliert, dass Nestlé zu Beginn der Partnerschaft mit Wonder Pizza und Pasta herstellen möchte, die auf die Küchengeräte von Wonder zugeschnitten seien.
Nestlé hat bereits Erfahrungen mit einem Startup im Bereich Food-Delivery gesammelt: 2020 investierte der Schweizer Konzern ebenfalls in den USA massiv in den Convenience-Food-Kurier Freshly. Doch das Startup erreichte nach Nestlé-Aussagen nicht rasch genug die nötige Grösse oder Performance.
  • Zu Freshly/Kettle Cuisine: Nestlé bricht in den USA das Food-Convenience-Experiment mit Freshly ab.
Vor einem Jahr die Kehrtwende: Die US-Tochter des Schweizer Unternehmens brachte Freshly in das Tochterunternehmen der Investmentfirma L Catterton, Kettle Cuisine, ein. An dem Joint-venture hält Nestlé nur noch eine Minderheitsbeteiligung.
  • nestlé
  • food
  • delivery
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
1 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Auch interessant

image

Nestlé: Eigene Marke für Wegovy-Nutzer

Die Produkte der Marke «Vital Pursuit» sollen den Kunden von Appetitzüglern zu wichtigen Nährstoffen verhelfen.

image

Auch Emmi versenkt den Nutri-Score

Erst kürzlich sollte das Ampelsystem noch per Gesetz durchgedrückt werden. Jetzt wirkt es zunehmend ungeniessbar.

image

Migros stellt Food Now ein, Alfies schluckt Stash

Die Bereinigung im Schweizer Delivery-Business geht weiter.

image

Ricola meldet weiteren Umsatzrekord

Der Umsatz des Kräuterbonbon-Herstellers wuchs 2023 zweistellig. In den USA sei man nun Marktführer bei den Hustenbonbons.

image

Cremo: Nochmals Verlust, Turnaround spätestens 2026

Der Milchverarbeiter konnte den Umsatz letztes Jahr steigern – spürte aber auch den starken Franken.

image

Fenaco: Rückläufiger Umsatz, tiefere Margen

Der Agrarkonzern spürte 2023 sowohl Preis- als auch Kostendruck.