Online-Möbelhandel steckt in der Flaute

Westwing und Home24 verkaufen im ersten Halbjahr schlechter. Einer scheint aber zu florieren: Beliani – ein Shop mit Schweizer Wurzeln.

24.08.2022
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Möbel von Home24 | Bild: PD Home24
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Dank den Covid-Lockdowns blühten manche Onlinehändler auf. Nun aber setzt allenthalben der Katzenjammer ein. So auch bei den Einrichtungslieferanten Westwing und Home24. Sie verzeichneten im zweiten Quartal einen Taucher in den Verkaufszahlen – wie bereits in den Monaten zuvor.
Westwing verkaufte einen Fünftel weniger Möbel und landete bei einem Umsatz von 103 Millionen Euro. Das ist zwar immer noch gut 40 Prozent mehr als im Vor-Covid-Jahr 2019. Dennoch senkt das Unternehmen die Prognose für 2022 auf 410 bis 450 Millionen Euro. Damit würde der Umsatz gegenüber Vorjahr deutlich sinken – um 14 bis 22 Prozent.

Home24 profitiert von Butlers-Läden

Auch Home24 litt darunter, dass die Konsumenten in den stationären Handel zurückkehrten. Hier gingen die Verkaufszahlen im letzten Quartal um rund 8 Prozent von 166 auf 152 Millionen zurück. Das grosse Aber: In den Zahlen des zweitens Quartals verstecken sich 24 Millionen, die auf die Übernahme der Deko-Handelskette Butlers mit ihren 100 Filialen in den DACH-Ländern zurückzuführen sind.
Der stationäre Verkauf stärkte damit den E-Commerce, der das Hauptgeschäftsfeld von Home24 bleibt.
Laut dem E-Commerce-Portal «Neuhandeln» will Home24 in Zukunft das Sortiment von Butlers online anbieten. Gleichzeitig sollen in den Butlers-Filialen Showrooms von Home24 entstehen.
Dem Trend zu trotzen scheint der Online-Möbelladen Beliani, der seine Wurzeln in Baar (ZG) hat. 2009 von den Brüdern Stephan und Michael Widmer gegründet, vertreibt er heute gemäss der Homepage ein Sortiment von 100'000 Artikeln in 17 europäischen Ländern.
Die Widmer-Brüder hatten im Jahr 2000 ihr Start-up Auktion24 an das deutsche Online-Auktionshaus Ricardo verkauft. Aus Auktion24 wurde danach Ricardo.ch

Beliani aus Baar baut aus

CEO Stephan Widmer drückt gegenüber Konsider aufs Gas: «Eigentlich ist das Umfeld auch eine Chance für effiziente Unternehmen wie wir.»
Beliani suche aktuell Fremdkapital und würde, falls die Finanzierung gelingen sollte, «das schwierige Umfeld ausnutzen, unser Sortiment erweitern und verstärkt unsere Marketingaktivitäten hochfahren, um den Wettbewerbern Marktanteile abzunehmen».
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Möbelhändler mit grossen Hoffnungen: Stephan und Michael Widmer | Bild: PD Beliani
Dabei gibt Widmer zu, dass auch sein Unternehmen die widrigen «makroökonomischen Effekte» spüre. «Wir passen uns an und bleiben mit den Kosten diszipliniert, um profitabel zu bleiben.»
Profitabel sei Beliani immer gewesen – die Konkurrenz hingegen, so Widmer, habe das selbst während der «guten» Corona-Zeiten kaum geschafft. «In schwierigeren Zeiten wie jetzt wird es für diese Konkurrenten noch schwieriger werden.»
Sie seien aufgrund ihrer Business-Modelle und Kostenstrukturen «teils vermutlich nicht überlebensfähig», spekuliert Stephan Widmer.

Grosse Pläne der Schweizer

«Je nach Weltwirtschaftslage wollen wir über die nächsten fünf bis sechs Jahre um das Vierfache wachsen», hatte er vor zehn Tagen gegenüber der «Luzerner Zeitung» verlauten lassen. Unlängst habe sein Unternehmen die Umsatzgrenze von 100 Millionen Franken überschritten, die Kundenzahl wird mit einer Million angegeben.
Um die Marke in den angepeilten Absatzländern bekannt zu machen, lancierte Beliani im Frühling ein Werbevideo – ein Film, den CEO Widmer gegenüber der Zeitung als «ein bisschen nervig und sehr eingängig» beschreibt.
Im Gegensatz zu Westwing und Home24, die Dutzende Brands vorweisen, verkauft Beliani seine Möbel unter eigenem Namen. In Zukunft will man vermehrt auf Deko-Artikel setzen – ähnlich wie Home24 mit der Übernahme von Butlers im letzten Dezember. Die Schweizer möchten schneller auf Trends reagieren können und so zum Zara der Möbelbranche werden.
  • Zum Thema: Möbel von der Trainerbank: Murat Yakin gründet eine Firma. Sie zielt ab aufs Möbel-Geschäft.

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