Rewe und Edeka: Epische Schlacht mit Mars

Coop ist kein Einzelkämpfer. Auch die grössten deutschen Lebensmittelhändler stehen im Margenkonflikt mit Mars.

4.10.2022
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Süssigkeiten von Mars: Bei Edeka und Rewe in Deutschland bald nicht mehr erhältlich | Bild von: Sebbi Strauch on Unsplash
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«Keine Lust auf Mondpreise von Mars? Dann geh doch zu Netto!» Mit dieser Kampfansage reagierte die deusche Supermarkt-Kette Netto im August auf erhöhte Einkaufspreise, die der US-Konzern gefordert hatte. Mars wollte damit die steigenden Rohwarenpreise abfedern.
Der Hersteller von M&M's oder Crave-Tierfutter setzte im September eins drauf, befand Netto. «Der Hersteller Mars fordert auch bei Hundefutter eine unangemessene Preiserhöhung. Wir von Netto kämpfen für euch und bieten mit unseren Eigenmarken günstige Alternativen», textete der Discounter – unter dem Titel «Wir halten die Preise an der kurzen Leine». Beworben wurde damit die Eigenmarke Cadora.

Kein Mars-Produkte bei Edeka und Rewe

Netto ist ein Tochterunternehmen des Edeka-Konzerns, der mit einem Umsatz von über 60 Milliarden Euro fast einen Viertel des gesamten Lebensmittelhandels in Deutschland abdeckt. Edeka selber wird seit mehreren Monaten nicht mehr von Mars beliefert, wie deutsche Medien berichten (hier, hier). Mehr als 300 Produkte fehlen im Sortiment, etwa die Mars-Riegel, Reis von Ben's Original oder Whiskas-Katzenfutter.
Betroffen ist offenbar auch die Nummer 2 im deutschen Lebensmittelhandel: Rewe. Doch der Kampf der beiden Riesen mit dem Lieferanten Mars ist nur die Spitze des Eisberges.
Wie die «Lebensmittelzeitung» berichtet, fehlen auch in anderen deutschen Supermärkten Snackartikel, weil sich Hersteller und Händler nicht über die Einstandspreise einig werden. So ist bei Kaufland keine Schokolade von Ritter Sport mehr erhältlich (die auch bei Lidl zuletzt gefehlt hatte). Edeka wiederum kämpft gegen den Milka-Hersteller Mondeléz um tiefere Preise.
Coca-Cola muss Edeka nicht beliefern
Ein weiterer Konflikt im Preiskrieg zwischen deutschen Einzelhändlern und Herstellern wurde am letzten Freitag durch ein Urteil des Hamburger Landesgerichtes (vorläufig) beendet: Dieses kommt zum Schluss, dass der Coca-Cola-Konzern Edeka nicht weiter beliefern müsse – zumindest nicht zu den von beiden Unternehmen im Januar vereinbarten Konditionen (hier, hier).
Coca-Cola hatte aufgrund gestiegener Gestehungskosten im Laufe des Jahres höhere Preise von Edeka verlangt – aus der Sicht des Detaillisten waren diese «missbräuchlich überhöht». Und: Der Lieferant sei verpflichtet, die Bedingungen im Liefervertrag vom Januar einzuhalten. Für das Landesgericht war diese Begründung laut Urteil nicht ausreichend glaubhaft.
Um in Deutschland in Marketing und Innovationen investieren zu können, müsse Mars Kostensteigerungen weitergeben können: So erklärte der Chef des deutschen Süsswarengeschäftes von Mars, Carsten Simon, in der der «Lebensmittelzeitung» die Lage.
Und weiter: «Nach unserer Erfahrung gibt es in vielen Fällen keinen Streit um konkrete Preise.» Vielmehr gehe es den Händlern um Modalitäten, beispielsweise darum, welche Rolle internationale Einkaufsallianzen in den Gesprächen mit der Industrie spielen sollen.
Schliesslich könne es sich Mars – so das Branchenmedium – heute aussuchen, welche Händler der Konzern beliefern möchte, da aufgrund von Russlands Krieg in der Ukraine Produktionskapazitäten fehlten.


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