Supercard sei Dank: Coop holt europäischen Retail-Technologie-Preis

Beim Reta-Award 2023 wurden in Düsseldorf starke Entwicklungen in Bereichen wie Customer Experience, Warenbewirtschaftung, Omnichannel oder Robotik gerühmt.

28.02.2023
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Feierstunde: Alle Preisträger des Reta Award in Dr. Thompson’s Seifenfabrik, Düsseldorf, 27. Februar 2023  |  Bild: PD EHI.
Auch 23 Jahre nach ihrer Lancierung setzt die «Supercard» offenbar noch Massstäbe in der Detailhandels-Technologie. Denn wie sonst lässt es sich erklären, dass die Coop-Karte (beziehungsweise das, was sie kann) gestern an der weltgrössten Fachmesse EuroShop in Düsseldorf gefeiert wurde?
Konkreter: Coop wurde mit einem Reta-Award für herausragende Technologie-Lösungen 2023 ausgezeichnet. Das deutsche EHI Retail Institute vergibt den Preis jeweils in fünf Kategorien und zeichnet in jeder Kategorie drei Preisträger gleichrangig aus.
Coop gehörte dabei zum Siegertrio in der Kategorie «Best Customer Experience». Die Jury mit acht Experten lobte dabei Handelsfirmen, die zukunftsorientierte Methoden und Technologien eingeführt haben, um die Kundenloyalität und -zufriedenheit zu steigern.
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Ausgezeichnet: Ivan Guerrieri, Projektleiter UX, und Christian Kratteit, Head of Marketing Coop.ch — PD EHI
Dabei stach den Juroren aus vier Ländern ins Auge, wie Coop die Einkaufs-Informationen aus der Supercard für individuelle Produktempfehlungen auf der Webseite nutzt. Ebenfalls gelobt wurde «Mein Coop», also quasi der persönliche Online-Supermarkt, bei dem die Kundschaft bevorzugte Produkte durch eine gezielte Konfiguration auf einer Landingpage finden kann.
  • Reta 2023: Zur MedienmitteilungZur Website.
Die anderen Reta-Preisträger in Sachen «Best Customer Experience» waren:
Telefónica Deutschland. Deren Mobile-Marke O2 baute für eine Werbekampagne die Schaufensterfront ihres Stores in Berlin mit einer halbtransparenten LED-Wand um. Danach liess ein Bewegungssensor und ein extra für diesen Zweck entwickeltes Programm die Passanten automatisch mit dem 5G-Netz interagieren.
Carrefour. Der französische Handelskonzern führte eine Motion-Sensing-Technologie ein, bei der ein Bewegungssensor lose Waren wie Früchte oder Gemüse erkennt. Wird der gewünschte Artikel aus dem Regal genommen, übermittelt der Bewegungssensor den PLU-Code an die Waage. Die Kundschaft muss den Kauf nur noch auf dem Display der Waage bestätigen und kann dann die gewünschte Menge unverpackt kaufen.
In der Kategorie Best Enterprise Solution werden Handelsunternehmen ausgezeichnet, die ihre Effizienz durch innovative Systeme und Technologien steigern konnten. Preisträger hier waren:
Bizim Toptan. Das türkische Grosshandelsgeschäft bietet über seine Homepage Lieferungen und Click & Collect an. Es implementierte dafür ein datengesteuertes Prognosesystem, das auf maschinellen Algorithmen basiert und über die Lagerbestände entscheidet. Eines der Ziele ist die genaue Vorhersage, welche Produkte besonders nachgefragt werden.
Schwarz IT. Die Lidl-Dach-Firma installierte die KI-basierte Plattform «Parsifal» der G2K Group, um die IT-Infrastruktur der Unternehmen der Schwarz-Gruppe zu vereinfachen. Ziel war es, die zahlreichen isolierten Einzellösungen zu bündeln. Die Plattform führt alle unterschiedlichen Technologien und Anwendungsfälle in einer Oberfläche zusammen.
Esprit. Der Modehändler entwickelte eine Online-Softwarelösung für seine Läden in Europa. Das Echtzeit-Filialwaren-Wirtschaftssystem bildet unter anderem Warenein- und -ausgang, Bestandsführung und Preisänderungen ab. Die relevanten Daten werden dabei an eine Datenbank gesendet, die POS-Transaktionen und Bestandsinformationen in Echtzeit zusammenführt.
In der Kategorie Best Instore Solution zeichnet das EHI Retail Institute jeweils Handelsunternehmen aus, die durch den Einsatz von Technologie am POS einen operativen Mehrwert erreicht haben. Die Preisträger hier waren:
Edeka Aschoff. Der Food-Retailer führte den digitalen Einkaufswagen «SmartShopper» ein, ausgestattet mit einem Tablet. Mit dem zugehörigen Barcodescanner kann die Kundschaft Waren zur Einkaufsliste hinzufügen. Um zu bezahlen, generiert man am Gerät einen QR-Code und scannt diesen an der Kasse. Eine Waage am Einkaufswagen kontrolliert die Artikel. Ein intelligentes System dahinter erkennt das Gewicht der Produkte mit einer Genauigkeit von 2 Gramm.

Adidas. Der Sportartikel-Konzern entwickelte mit Sensormatic Solutions und Clickit verschiedene Touchpoints, welche Konsumenten-Bewegungen von der Strasse, am Schaufenster oder in bestimmten Zonen im Geschäft identifizieren. Adidas möchte die Bewegungen der Kundschaft genau nachvollziehen, um Musik und Bilder an das Kundenverhalten anpassen zu können.
Marks & Spencer. Der britische Retail-Konzern erneuerte die Bestellmöglichkeiten innerhalb seines Gastronomiekonzepts. Grundlage für den Bestellprozess ist eine Softwarelösung von Givex, mit der die Kundschaft per App bezahlen kann. Für die Zubereitung der Mahlzeiten führte Diebold Nixdorf ein Küchenmanagementsystem ein. Die Kundschaft nimmt nach der Bestellung einen Food Tracker mit an den Tisch, so dass das Personal das Essen direkt zum Gast liefern kann.
Die Kategorie Best Connected Retail Solution hiess früher Omnichannel Solution. Gerühmt werden hier Detailhändler, die ihre IT-Infrastruktur modernisiert und die Online- und Offline-Welt gut verzahnt haben. Die Preisträger 2023 sind:
Edeka Digital. Der deutsche Retailer implementierte eine cloudbasierte Event-Streaming- und Management-Lösung, um Stammdaten in ihren Märkten und ihrer Lieferkette zu streamen. Die Plattform erleichtert es Edeka, die Stammdaten in Echtzeit über Märkte, Rechenzentren und Cloud-Dienste hinweg effizienter zu verteilen. So werden Produktdetails aus einem ERP-System mit Bildern aus einem Altsystem zusammengeführt und die Änderungen an verschiedene Zielprojekte weitergegeben. Edeka Digital setzte das Projekt gemeinsam mit den Technologiepartnern Thinkport und Solace um.
Schuhhaus Meyer. Der Schuhhändler führte eine cloudgestützte Marktplatzlösung ein. Damit braucht Meyer bloss eine Musterkollektion bei Lieferanten zu bestellen und kann so die Lager- und Handhabungskosten deutlich senken. Die Kundschaft kann den Artikel im Store anprobieren und per QR-Code nach Hause bestellen.
MediaMarktSaturn. Der Elektronika-Händler entwickelte gemeinsam mit Coma die interne Gamification-Plattform «LaLiga», bei der Angestellte aus Deutschland und weiteren Ländern als Marktteam in einem Wettbewerb gegen andere Märkte antreten können. Ziel ist es, durch den Verkauf von Produkten und produktbezogenen Service-Leistungen zu punkten, um gegen andere Stores zu gewinnen. Die teilnehmenden Mitarbeiter:innen sollen so ein besseres Verständnis für die Produkte erlangen und die Beratungsqualität erhöhen.
In der Kategorie Best AI & Robotics Application werden Firmen ausgezeichnet, welche die Prozesse im Handel durch Anwendungen aus den Bereichen Künstliche Intelligenz und Robotik verbessern konnten. Die Preisträger hier waren:
Aldi Nord. Der erste kassenlose Store von Aldi Nord in Utrecht setzt Computer-Vision-Technologie ein und kommt ohne klassische Bezahlterminals oder Self-Checkout-Points aus. Dies dank einer KI-Technologie und einer App: Sensoren in den Regalen und Kameras an der Decke erfassen alle Bewegungen der Produkte und ordnen sie der Kundschaft zu.
Compass Group. Die britische Catering-Gruppe entwickelte mit Partner Aifi einen autonomen Checkout für den Lebensmittelladen «Market x Flutter». Das Geschäft bietet frische Mahlzeiten sowie Getränke und Süsswaren. Die Kundschaft checkt per QR-Code ein. Die KI-basierte Kameratechnologie verwendet keine Gesichtserkennung – sie erstellt stattdessen virtuelle Avatare für die Kundschaft. Beim Verlassen des Ladens erhält man automatisch eine Quittung aufs Handy.
Shufersal. Der israelische Lebensmittelhändler führte ein KI-basiertes Clip-On-Device ein, das an jeden Einkaufswagentyp gesteckt werden kann. Das Gerät erkennt hinzugefügte oder entfernte Artikel. Der Bildschirm zeigt eine Zusammenfassung von Produkten, Sonderangeboten und der Preise an. Das Gerät ermöglicht zudem den eigenständigen Checkout.

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