Umfrage: Konsumenten vertrauen grünen Phantasie-Claims

Jeder dritte glaubt, ein Produkt enthalte keine umweltschädlichen Substanzen, wenn «natürlich» auf der Verpackung steht.

11.07.2021
image
Was gesnau bedeutet «natürliche Zutaten»? Die Konsumenten wollen es genauer wissen | Bild: PD/SKS
  • handel
  • marketing
  • kosmetik
  • food
  • non-food
  • esg
Viele Schweizerinnen und Schweizer neigen dazu, Packungsbeschriftungen und -bildern zu glauben, die vorgaukeln, dass ein Produkt besonders ökologisch sei. So lautet das Ergebnis einer nicht repräsentativen Umfrage der Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen (Konsumentenschutz, FRC, ACSI) unter 3500 Personen.
Demnach würden drei von vier Teilnehmern in einer einkaufsähnlichen Situation zu einem Poulet greifen, dessen Verpackung eine Wiese zeigt, wenn sie sich möglichst tierfreundlich verhalten möchten. Und für 39 Prozent reicht das Adjektiv «natürlich» auf einem Lebensmittel, um anzunehmen, es sei nicht hoch verarbeitet worden.
Bei 60 Prozent der Befragten genügte es, auf einem WC-Reiniger einen Tannenzapfen auf grünem Untergrund abzubilden, um dem Artikel den Anschein von Nachhaltigkeit zu geben. Auch bei Kosmetika ist nicht mehr nötig, als Kräuter auf eine grüne Tube zu drucken, um 63 Prozent zur entsprechenden Creme greifen zu lassen – im Glauben, es handle sich um ein Bio-Produkt.
Insgesamt würden die Ergebnisse zeigen, dass glaubwürdige Labels «nicht von firmeneigenen Aussagen zu Umweltleistungen unterschieden werden können», so der Schweizer Konsumentenschutz (SKS). Insbesondere beim schnellen Supermarkt-Einkauf liessen sich die Kunden von grün angehauchten Bildern und Behauptungen blenden.
Wenig überraschend, dass die befragten Konsumenten strengere Gesetze wünschen, um dem Produkte-Greenwashing mit Phantasieattributen einen Riegel zu schieben.
image
Diese Öko-Claims sollten laut Umfrage gesetzlich geregelt werden. | Bild: PD/Konsumentschutz.ch
Drei von vier Teilnehmer finden demnach, «biologisch abbaubar» als Produkteeigenschaften sollte gesetzlich definiert werden; zwei von dreien die Begriffe «öko» oder «ökologisch».
Für den Schweizer Konsumentenschutz (SKS) hat das Thema Priorität, wie die neue Präsidentin Nadine Masshardt im April gegenüber dem «Bärner Bär» klarmachte: «Für mich als Konsumentin ist es im Laden häufig schwer nachvollziehbar, was es mit gewissen ‹grünen› Labeln auf sich hat. Die Bezeichnung ‹Swiss Milk Green› etwa ist kein zertifiziertes Label, sondern ein reines Marketinginstrument.»
Sie verweist auf eine Ankündigung der europäischen Kommission vom April, über das Wettbewerbsrecht im Label-Dschungel für Ordnung zu sorgen. Nur offizielle und klar geregelte Nachhaltigkeitslabel sollen in Zukunft verwendet werden dürfen, Marketing-Kreationen wären verboten. Ein solches Vorgehen würde Masshardt auch für die Schweiz begrüssen.
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
1 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Auch interessant

image

Nestlé lauert auf Übernahme-Chancen

«Es ist eindeutig so, dass wir die grössten Chancen im Bereich kleiner und mittelgrosser Zukäufe sehen», sagt CEO Mark Schneider in einem Interview.

image

Manor schliesst Restaurant in Solothurn

Für 440 Quadratmeter im Warenhaus wird eine neue Nutzung gesucht.

image

«Betriebsruhe»: Weleda macht Werke tageweise dicht

Die Naturprodukte-Firma will 400 Angestellte in der Schweiz und 800 in Deutschland phasenweise in die Ferien schicken.

image

Neue Besitzer für Schuhkette Reno

Die Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sollen weitergeführt werden. Hierzulande sind die neuen Besitzer alte Bekannte.

image

Ikea eröffnet zweite Schweizer Mini-Filiale in Chur

Weniger gehen, mehr planen: Der Möbelriese sucht mit so genannten «Plan & Order Points» den direkteren Kontakt zur Kundschaft.

image

H&M schafft Gratis-Retouren testweise ab

Jetzt prüft auch der schwedische Textil-Riese, ob Onlinekunden bereit sind, Rücksendungen selber zu berappen. Und erhofft sich dadurch Einsparungen.