Gedankenspiel: Migros schluckt Mediamarkt und Saturn

Die Retail-Holding Ceconomy beherrscht den Elektronikmarkt in Europa – aber ihr Börsenwert ist ein Spott-Preis. Das weckt Fantasien.

Von, 8.09.2022
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Media-Markt-Filiale in der Schweiz | Bild: PD Media Markt
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Sie betreibt über 1'000 Elektronikläden in einem Dutzend Länder. Sie setzt mit ihren Marken Media Markt und Saturn über 20 Milliarden Euro um. Aber sie ist an der Börse nur noch 625 Millionen Euro wert.
Das heisst: Die Finanzgemeinde erachtet die deutsche Handelsgesellschaft Ceconomy schlimmstenfalls als Auslaufmodell – und bestenfalls als Turnaround-Story. Seit Wochen ranken sich eifrig Gerüchte um das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf.
Zuerst waren es Ladenschliessungen als Folge von Covid, dann Lieferschwierigkeiten und steigende Beschaffungskosten, dann Streitigkeiten zwischen der Gründerfamilie der Media-Markt-Kette Kellerhals und der Beteiligungsgesellschaft Ceconomy, welche den Konzern belasteten.
Die Aktionärsstruktur konnte im April immerhin bereinigt werden. Die Familie Kellerhals erhielt 30 Prozent der Aktien an Ceconomy. Auch diese haben inzwischen rund zwei Drittel ihres Werts verloren.
Im Alltagsgeschäft wiederum scheint die Abwärtsspirale einen Eigendrall zu bekommen, der schwer zu bremsen ist. «Die Welt» setzte vor einem Monat den Ton: «Ceconomy vernichtet im Alltag Geld.» Die Verschuldung war um fast eine Milliarde Euro auf 2,5 Milliarden Euro gestiegen. Die Rating-Agentur Moody's senkte die Ceconomy-Aktie auf «spekulativ».
Der Handelsriese scheint also ein interessanter Fall für einen Raider oder einen Private-Equity-Giganten, der übernimmt, filetiert und stückweise weiterverkauft.

Ja, Galaxus meint es ernst

Doch gäbe es vielleicht auch strategische Interessenten? Dafür nannte der E-Commerce-Experte Jochen Krisch jetzt eine ganz besondere Kandidatin: die Migros.
«Selbst eine Migros Gruppe, die mit Digitec Galaxus weiter Ambitionen auf dem deutschen Markt hat, könnte versucht sein, Media Saturn für überschaubares Geld zu übernehmen und speziell das Online-Geschäft für sich zu nutzen», schrieb Krisch im Branchendienst «Exciting Commerce».
Tatsächlich signalisiert die Migros-Tochter Galaxus ganz offen, dass sie in Deutschland nach vorne preschen will; soeben erst wurde bekannt, dass Galaxus sein Marktplatz-Angebot auch im Nachbarland und in der EU lancieren will.
Zweifellos hätte die Migros auch das nötige Kleingeld, um das Schnäppchen für 610 Millionen Franken zu schlucken – dank starkem Franken sogar mehr denn je. Alleine im letzten Jahr stiegen die flüssigen Mittel und geldnahen Anlagen des M-Konzerns um 1,9 Milliarden Franken.
Andererseits stehen hinter dem deutschen Elektronhandels-Riesen starke Ankeraktionäre, die überzeugt und gewonnen werden müssten. Und die ganz gewiss das Projekt verteuern würden.

1 plus 1 = 150'000 Beschäftigte

Vor allem aber stellt sich eine entscheidende Frage: Passt das überhaupt zusammen?
Der stetige Aufbau von Galaxus Deutschland – und auch eines Töchterchens wie Tegut – im Nachbarland: Dies ist das eine. Doch die Fusion der Migros (29 Milliarden Franken Umsatz, 97'000 Beschäftigte) mit Ceconomy (21 Milliarden Euro Umsatz, 46'000 Beschäftigte) würde die internen Gewichte und den Charakter des M-Traditionshauses dermassen verschieben, dass die Einführung von Alkohol dagegen eine kulturelle Kleinigkeit wäre.
Kommt hinzu, dass die Migros – beginnend bei den Zeiten von Firmengründer Gottlieb Duttweiler, kumulierend im traumatischen Expansion nach Österreich – sich im Ausland fast immer sehr schwer getan hat. So schwer, dass man bekanntlich oft von einem Auslandstrauma spricht.
Zur Motivation für solch ein Wagnis dürfte der Reiz, europaweit die neuen «Coffee B»-Maschinen ausrollen zu können, kaum genügen.
Womit die Anregung des Onlinehandels-Experten Jochen Krisch im Raum bleibt: Wer schnappt sich jetzt Media Saturn?
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