Frische Ideen, neue Produkte: Der Inspirations-Ticker

Die Natur als Verwaltungsrats-Mitglied. Marketing der Sonderklasse. Verpackung für den Kompost. Pulver-Schnitzel. Und so weiter: Die spezielle Neuheiten-Liste.

11.08.2022
letzte Aktualisierung: 28.09.2022
image
Member of the Board.
  • industrie
  • handel
  • food
  • non-food
  • marketing
  • shop design
  • e-commerce

Neuheiten-Ticker: September 2022

Die Natur kommt in den Verwaltungsrat. Die britische Kosmetikfirma Faith in Nature – gegründet 1974, Umsatz rund 15 Millionen Pfund – bekommt ein neues Mitglied des Verwaltungsrates: die Natur. Im Board wird künftig immer eine Person vertreten sein, welche die Interessen der Umwelt vertreten soll. Die Position wird wechselnd besetzt, sie soll insbesondere ausgefüllt werden von aussenstehenden Anwälten und Vertretern von Naturanliegen.
«Zu lange wurde die Natur nur als entbehrliche Ressource betrachtet», lässt sich Brontie Ansell zitieren, die erste Natur-Verwaltungsrätin: «Diese Art des Denkens hat uns an den Rand des ökologischen Zusammenbruchs geführt. Es kann und muss sich ändern.»
Mehr
Tito's Handmade Wodka ist sowieso ein Unternehmen, das zu beachten wäre: 1997 als Handwerksbetrieb gegründet und bis heute mit einem entsprechenden Selbstverständnis ausgerüstet, verwandelte sich der Wodka-Hersteller aus Austin, Texas, innert weniger Jahre zum Industriebetrieb. Im letzten Jahr überholte er dann die Nummer 1 im amerikanischen Wodka-Markt, Smirnoff – und zwar deutlich.
Hinter dem Wachstum der ehemaligen Hinterhof-Destillerie steht eine starke Social-Media-Strategie plus Authentizität auf allerlei Art. Sowie: Kreativität.
Wie das geht, zeigt das Unternehmen mit seinem neusten Produkt. Es handelt sich dabei um leere Büchsen. Äusserlich kommen sie daher wie ein neuer Hard-Seltzer-Drink, also ein alkoholisiertes Blöterliwasser. Aber zum happigen Preis von 20 Dollar kriegt man lediglich eine leere Büchse, auf der steht: «We don’t make seltzers. You do.», und hintendran ein paar Rezepte sowie der Ratsschlag, sie mit der Büchse auszuprobieren.
Womit Tito's diverse Botschaften vermittelt. Zum Beispiel, dass es niemals solche Mixgetränke machen wird, sondern beim «real thing» bleibt. Dass Hard Seltzers sowieso zu teuer sind. Und dass das Management immer noch weiss, wie man sich ins Social-Media-Gespräch bringt. Müssen wir noch extra erwähnen, dass die leere Büchse bereits wieder ausverkauft ist?

Gegen die Kartonflut. Vollständig kompostierbar, biologisch abbaubar: Der deutsche Onlineshop Otto versendet umweltfreundliche Versandtüten aus Pflanzenabfall. Diese werden innerhalb von zwei Wochen vollständig abgebaut. Die ersten der Tüten werden in einem landesweiten Test «in Kürze» verschickt. Entwickelt hat die Warencouverts das Hamburger Start-up Traceless. Denkbar, dass die eine oder andere Tüte von ökologisch denkenden Kunden als echtes Pioniererzeugnis aufgehoben statt kompostiert werden.

image
Mondi Hug & Hold. Manchmal gibt es die Ideen, die sind so simpel, dass man sich fragt: Warum um Himmels Willen gibt es das nicht schon längst? Seit jeher werden die grossen Petflaschen-Sixpacks mit einer Plastikfolie umwickelt – fertig ist die Grosspackung. Der Verpackungshersteller Mondi nimmt nun einfach einen Griff plus eine Banderole aus rezykliertem Papier – und siehe da: Dasselbe Sixpack mit weniger Abfall. Beziehungsweise voll rezyklierfähig.
Veganer Knorr-Moment in der Migros. Der Markt für pflanzenbasierten Fleischersatz erlebt seinen Knorr-Suppen-Moment. Das Münchner Start-up Greenforce – 2020 gegründet – macht Trockenpulver aus den für diese Produktart üblichen Zutaten: Erbsen, Flohsamenschalen, Zellulose, Rapsöl, Salz, Aromen. Daheim schüttet man die Packung mit 75 Gramm Proteinstaub an Wasser – und erhält zum Beispiel 225 Gramm Vegan-Schnitzel.
Prädikat: Logistisch und kommerziell sinnvoll. Jetzt sind Greenforce-Schnitzel und Bällchen auch in der Migros erhältlich – und 25 Prozent günstiger als das wasserhaltige Konkurrenzprodukt der Eigenmarke V-Love.
Schliessfächer auf dem Polizeiposten. Das Locker-System von Amazon hat eine natürliche Schwäche: Es zieht Vandalen, Langfinger und Knackis aller Art an. Wo wäre die Lage sicher? Was ist zugleich 24 Stunden offen – jahraus, jahrein? Genau: der Polizeiposten. Also startet der Bezos-Konzern in Washington DC ein Pilotprojekt. Auf zwei Stationen werden testweise solche Schliessfach-Wände installiert. Falls es funktioniert, will Amazon die Idee weiter ausrollen


Neuheiten-Ticker: August 2022

Twint zielt auf Grosseinkäufe. Manchmal spielt auch in der Werbung Grösse eine wichtige Rolle, vor allem wenn sie real ist. Der gigantische Twint-Einkaufswagen, der dieser Tage in Zürich steht, soll die Nutzer der Zahl-App zu Grosseinkäufen animieren. Die Rechnung könnte aufgehen. Nicht nur weil Twint gleichzeitig einen «Grosseinkauf» verlost. Sondern weil die Betrachter bei der nächsten Twint-Zahlung unweigerlich an den Riesentrolley denken werden.

Denner bittet zum Taschen-Design. Die «Goodbag» ist eine Einkaufstaschen-System, bei der die Kunden gleich einen Baum finanzieren, wenn sie sie kaufen. Und anschliessend können sie bei jedem Einkauf per Scan in der Goodbag-App entscheiden, ob ein weiterer Baum gepflanzt werden soll. Denner hat das System seit gut zwei Jahren im Einsatz. Nun ruft die Migros-Tochter einen Design-Wettbewerb aus: Denner sucht vier Layouts, welche die Denner-Mehrwegtaschen ab 2023 zieren. Die Vorschläge können bis Mitte Oktober eingereicht werden – und dann werden die Sieger per Online-Voting gekürt.
Kit Kat wird vegan. Der Waffelriegel gehört zu den global bekanntesten Nestlé-Marken, und ab September gibt es ihn auch vollpflanzlich. Das vegane Kit Kat wurde von Nestlés F&E-Zentrum in York entwickelt; zum Einsatz kommen Milchalternativen aus Reis und Mais. Hergestellt werden die Riegel hauptsächlich im Nestlé Chocoladen-Werk in Hamburg. Pro Produktionstag sollen rund 800'000 «Kit Kat Vegan» vom Band laufen. Laut Konzernangaben wird der CO2-Fussabdruck des neuen Riegels um 18 Prozent tiefer sein als der eines Milchschokoladen-KitKat.
image
Bierkisten aus dem Meer. Dieser Kasten erhielt soeben den «Deutschen Verpackungspreis 2022»: Die Mehrweg-Bierkisten von Corona (Anheuser-InBev) bestehen zu neun Zehnteln aus recyceltem Kunststoff, welcher aus dem Meer gefischt wurde – alte Netze, Seile und Leinen, Petflaschen und Autoreifen. Und so darf sich Corona rühmen, die erste Biermarke mit einem «Netto-Null-Plastik-Fussabdruck» zu sein.
Die Box voller Testartikel. Es ist eine Art Wundertüte, die sich jeder (in Deutschland oder Österreich) nach Hause bestellen kann, der gerne Neues nascht und ausprobiert. UTry.me heisst das Unternehmen aus München, das seit 2017 Konsumenten mit Testware beliefert. Seit neuestem man sich die Proben wie beim Online-Shopping aussuchen. Ganz gratis ist die Chose allerdings nicht: 25 Euro kostet eine Box. Der Warenwert soll natürlich höher sein. Den Überraschungsfaktor beim Versuchen noch gar nicht eingerechnet. Und die teilnehmenden Marken wie Lindt, Dr. Oetker, Ferrero oder Carlsberg erhalten dafür Anhaltspunkte, ob ihre Neuprodukte ankommen.

Die Geschmackstest-Maschine von Ritter Sport. Am Flughafen Frankfurt hat das Quadrat-Schokoladen-Unternehmen eine Art Degustations-Automat installiert. Sie begrüsst die Wartenden mit Fragen zum Schokoladen-Geschmack. Via QR-Code kann man einen Fragebogen ausfüllen – und je nach Resultat spuckt die Maschine eine kleine Tafel der (hoffentlich) Lieblings-Sorte aus.

Tipp-Kick-Mania. Tipp-Kick ist die kleinste und kultigste Form des Fussballspiels: Man drückt oben auf den Kopf der Kunststofffigur, schon fliegt der Ball (hoffentlich ins Tor). Erfunden hat das Spiel vor 101 Jahren der Stuttgarter Möbelfabrikant Carl Mayer. Heute darf es kopieren, wer will. So tut es die Migros: Sie vertreibt die Druck-Tschütteler bis 26. September im Rahmen einer Mania-Sammelaktion. Wer loslegen will, benötigt dazu vorab das Set mit Spielfeld, Goalies, Goals und Banden. Und das kostet schon mal 10.90 Franken.
Bananenschalen ins Guetzli! Faserreiche Kost ist gesund – hört man bekanntlich ständig. Ein Forschungspapier der American Chemical Society empfiehlt nun einen simplen Trick, um Guetzli und andere Süss-Backwaren faserreicher zu machen: Bananenschalen. In Experimenten wurde der Bananen-Abfall zu einem Mehl verarbeitet, das reich an Fasern ist, obendrein an Aufbaustoffen wie Magnesium.
Und siehe da: Produktetests ergaben, dass Weizenkekse, die mit diesem Bananenmehl angereichert wurden, den Testpersonen sogar besser schmeckten.

image
Goldene Toblerone. Eine neue Version der Limited-Edition-Idee bringt Mondelez in Grossbritannien: Dort gibt es momentan 5'000 Toblerone-Dreiecke in goldiger Verpackung. Passend ist auch der Preis von «Toblerone Golden»: 17 Pfund für einen 360-Gramm-Riegel. Die helle Caramel-Schokolade-Nougat-Toblerone richtet sich stark an ein jüngeres Publikum.

Vegane Nicht-Milch-Schokolade von Läderach. Für Freunde von Milch-Schoggi, die es eigentlich doch lieber vegan hätten, bringt das Glarner Familienunternehmen vier neue Produkte heraus. Sie basieren allesamt auf Cashewdrink. Und statt auf herkömmlichen Zucker setzt Läderach bei der veganen Linie auf Kokosblütenzucker. Die mit einem Vegan-Aufkleber gekennzeichneten Schokoladen gibt es in den Sorten FrischSchoggi Cashew vegan, FrischSchoggi Säckli vegan, Popcorn Creamy Cashew vegan und Tafel Creamy Cashew vegan.
Noch mehr Ideen? Hier entlang:
  • Shampoo-Bars,
  • einem Milchspar-Trick,
  • WC-Papier aus Stroh,
  • Sonnenschutz per Eigenmarken,
  • veganem Mozarella,
  • einer Sonnencrème-Revolution
  • u.v.m.

Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
1 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Auch interessant

image

Nestlé lauert auf Übernahme-Chancen

«Es ist eindeutig so, dass wir die grössten Chancen im Bereich kleiner und mittelgrosser Zukäufe sehen», sagt CEO Mark Schneider in einem Interview.

image

Manor schliesst Restaurant in Solothurn

Für 440 Quadratmeter im Warenhaus wird eine neue Nutzung gesucht.

image

«Betriebsruhe»: Weleda macht Werke tageweise dicht

Die Naturprodukte-Firma will 400 Angestellte in der Schweiz und 800 in Deutschland phasenweise in die Ferien schicken.

image

Neue Besitzer für Schuhkette Reno

Die Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sollen weitergeführt werden. Hierzulande sind die neuen Besitzer alte Bekannte.

image

Ikea eröffnet zweite Schweizer Mini-Filiale in Chur

Weniger gehen, mehr planen: Der Möbelriese sucht mit so genannten «Plan & Order Points» den direkteren Kontakt zur Kundschaft.

image

Nestlé steckt 100 Millionen in spanisches Werk

In Girona wird die Produktion von Einzeldosierkapseln der Marke Nescafé Dolce Gusto sowie von löslichem Kaffee ausgebaut.